fbpx
Jun 04, 2020 Last Updated 11:41 AM, May 20, 2020

Who was who in nursing history: GRIVALSKY, Margit
GRIVALSKY, Margit
Artikel von: Gerhard Fürstler
Erschienen in Band 4, Seite(n) 116-118.
 

Biographie

Schwester Margit Grivalsky gehörte zu jenen 27 Preßburger Diakonissen, die 1945 aus Preßburg (Bratislava), eigentlich aus Leutschau (Levoča), evakuiert und 1946 in die Schwesternschaft des österreichischen Mutterhauses Gallneukirchen eingegliedert wurden. Weitere Schwestern, die dort wirkten, waren etwa Charlotte von François (1898-1966) , Margit Frankau (1889-1944) , Nany Kremeir (1862-1933) , Martha Lucke (1882-1965) , Marie Meier (1888-1955) , Freda Freiin von Schacky (1883-1960) , Elsa von Tiesenhausen (1890-1979) , Elise Lehner (1847-1921) , Anna Köhnen (1889-1983)  und Aenne Wiedling (1905-1978) .

Will man das Lebensbild von Diakonisse Margit Grivalsky nachzeichnen, muss man sich vorher wohl auch mit der kurzen und leidvollen Geschichte des Preßburger Diakonissenmutterhauses auseinanderzusetzen. Die Geschichte des Diakonissenmutterhauses in Preßburg umfasst einen Zeitraum von nur 60 Jahren. Sie begann 1890 und endete 1950, als das Preßburger Diakonissenmutterhaus vom kommunistischen Staat beschlagnahmt wurde.

1890 fasste die Evangelische Gemeinde in Preßburg den Entschluss, ein eigenes Diakonissenmutterhaus zu gründen. Man nützte dazu die bestehende Verbindung mit dem österreichischen Mutterhaus Gallneukirchen, das im Frühjahr 1891 die ersten Schwestern den Pressburgern überließ. Schon 1891 wurde die Anstalt eröffnet und drei Vorprobeschwestern zur Ausbildung aufgenommen. Das Diakonissenmutterhaus Preßburg übernahm die Krankenpflege in dem damals sehr „kleinen Krankeninstitut“ Preßburg, dass die Evangelische Gemeinde 1807 mit zwei Betten eingerichtet, 1830 zu einem Krankenhaus mit zehn Betten umgebaut und 1872 auf 20 Betten erweitert hatte. Erst 1914 konnte in Preßburg ein eigenes Gebäude für das Mutterhaus errichtet werden und zwar am Palisadenweg neben dem evangelischen Gaistorfriedhof.

Ein guter Entschluss war die Übernahme der Krankenpflege im Leutschauer Krankenhaus durch Preßburger Diakonissen, die erst durch die Evakuierung 1945 endete. Die Schwestern kamen nicht nur aus der deutschen Preßburger Sprachinsel, der Zips (Spiš) und dem Burgenland, sondern auch aus Ungarn und der übrigen Slowakei. Viele von ihnen sprachen nur Deutsch, Ungarisch oder Slowakisch, so dass die Verständigung unter den Schwestern mitunter mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden war. Nach 1945 wurde das Diakonissenhaus in Preßburg von der neuen kommunistischen Regierung beschlagnahmt und in ein Krankenhaus umgewandelt. Die dort arbeitenden Diakonissen mussten ihre Tracht ablegen und wurden als Krankenschwestern eingestellt. 1950 hörte die Mutterhausdiakonie in der Slowakei gänzlich zu bestehen auf.

Margit Grivalsky wurde am 24. April 1915 in Menhard (Vrbov), einem kleinen Dorf in der Zips geboren und wuchs mit ihren vier Geschwistern als Jüngste in einem gläubigen evangelischen Elternhaus in einfachen bäuerlichen Verhältnissen auf. Bis zu ihrem 12. Lebensjahr besuchte sie in ihrem Heimatdorf die Volksschule. Anschließend wurde sie konfirmiert und aus der Schule entlassen. Die nächsten drei Jahre half sie ihren Eltern im Haushalt und in der Landwirtschaft. Die Begegnung mit den in Menhard stationierten katholischen Ordensfrauen beeindruckte sie nachhaltig und so verspürte sie früh den Wunsch: „So eine Schwester würde ich auch gerne werden, aber ich bin ja nicht katholisch.“  Von Diakonissen wusste sie damals noch nichts. Später kam ihr durch Zufall ein Kalenderblatt in die Hände, in dem um Diakonissen für ein deutsches Diakonissenmutterhaus geworben wurde. Aber gleich so weit von zu Hause wegzugehen, das kam damals für sie noch nicht in Frage.

In Käsmark, der nahe gelegenen Stadt, stand eine ihrer Schwestern bei einer gut situierten Professorenfamilie in Dienst. Darüber erzählte Schwester Margit Grivalsky später in ihrem Lebenslauf: „Als diese den Posten aufgab, wurde meine Mutter gefragt, ob sie nicht noch ein Mädchen wüsste, das nun an diese Stelle treten könnte: ‚Ja, ich habe noch eine Tochter zu Hause, aber die ist erst 15 Jahre’, so die Antwort der Mutter. ‚Das macht nichts’, darauf die Professorengattin, ‚auf die Kinder schauen und sich um ihre Wäsche kümmern, das kann sie schon’. So bin ich in dieses Haus gekommen, und beaufsichtigte zunächst einmal nur die beiden Buben, damals fünf und sieben Jahre alt. Im zweiten Jahr übergab mir die Hausfrau den Haushalt. Im dritten Jahr wurde die Professorengattin schwer krank.“ Da wurde eine Preßburger Diakonisse zur Hilfe gerufen. Die Begegnung mit dieser Schwester war für Margit Grivalsky lebensbestimmend, denn von ihr hat sie gelernt, mit ihr hat sie sich angefreundet und mit ihr gemeinsam das Preßburger Diakonissenmutterhaus angesehen. So verfestigte sich in ihr der Wunsch, dort ebenfalls einzutreten und Diakonisse zu werden. Aber noch war es nicht soweit, denn die Professorengattin lag im Sterben. Diese nahm ihr das Versprechen ab, so lange bei ihrer Familie zu bleiben, bis die Kinder eine neue Mutter hätten. An dieses Versprechen hielt sie sich. So konnte sie erst mit 21 Jahren ihrem Wunsch folgend in das Preßburger Diakonissenmutterhaus eintreten.

In der nun folgenden zweijährigen Probezeit erhielt Margit Grivalsky einen Unterricht, dessen Grundlage die Bibel war und so das Fundament ihrer klar lutherischen, tiefen Frömmigkeit legte. In dieser Zeit wurde sie im Haushalt des Mutterhauses und im Operationssaal des Preßburger Krankenhauses eingesetzt. Ihre praktische Begabung, ihr Humor und die dazu wohl erforderliche Gelassenheit ermöglichten es ihr damals, sich diesem schweren Dienst zu stellen: „Eines Tages wurde ich in den Operationssaal geschickt, obwohl ich keine Ahnung von der Arbeit dort hatte. Als der Assistenzarzt ein Skalpell verlangte, stand ich da, und wusste nicht, was ich tun sollte. Da rief der Arzt: ‚Gehen Sie in die Küche und holen Sie ein Küchenmesser!’ Darauf hin drehte ich mich um und ging hinaus.“

1940 folgte sie einem Ruf in das Leutschauer Krankenhaus, eine Außenstation des Preßburger Diakonissenmutterhauses, wo sie erneut im Operationssaal Dienst tat. Vom Geschehen des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) lange verschont, „man wusste eigentlich gar nichts vom Krieg, weil man nicht einmal Radio hören durfte“, veränderten sich im Herbst 1944 die Verhältnisse schlagartig.  Wegen der näher rückenden russischen Front musste die Wehrmacht schon im Herbst 1944 mit der Evakuierung von Frauen und Kindern beginnen. Im Februar 1945 folgte die Evakuierung des Krankenhauses Leutschau. In mehreren Eisenbahnwaggons wurde das Inventar des Krankenhauses verladen und für die Leutschauer Diakonissen begann eine Reise ins Ungewisse. Sechs Tage später erreichte man Linz, die nächsten Stationen waren Freistadt und dann später Steg, wo Schwester Margit Grivalsky unter Einsatz all ihrer Kräfte mithalf, zunächst unter Zuweisung der NS-Gauleitung und nach 1945 unter Befehl der sowjetischen Besatzungsmacht, die zuerst in Freistadt und später in Steg so dringend benötigten Behelfskrankenhäuser einzurichten, in denen sie nochmals im Operationssaal ihren verantwortungsvollen Dienst versah.

Nur langsam normalisierten sich die Verhältnisse. 1946 konnten alle Preßburger Schwestern in das Mutterhaus Gallneukirchen eingegliedert werden und 1948 wurde Schwester Margit Grivalsky in Gallneukirchen eingesegnet.

Bis 1949 war Schwester Margit Grivalsky zur Aushilfe in einem Altenheim. Es folgte eine Urlaubsvertretung im Diakonissenkrankenhaus Schladming, von wo aus sie nach Graz gesandt wurde, wo sie die Krankenpflegeausbildung absolvierte. Ein Jahr später kam sie in das Salzburger Diakonissenkrankenhaus. Dort stand sie bis 1967 der gesamten Hauswirtschaft vor. Sie allein trug die Verantwortung für die Reinigung im Hause, sorgte für eine ansprechende und saubere Umgebung des Hauses und managte die komplette Wäscheversorgung des Krankenhauses. Dann wurde sie als „Hausschwester“ zurück in das Mutterhaus Gallneukirchen gerufen. Bis 1976 ließ sie sich immer wieder zur Vertretung in die verschiedenen Häuser im Evangelischen Diakoniewerk Gallneukirchen bitten.

Nach einer Hüftoperation im Jahre 1977 blieb sie, bevor sie 1984 endgültig in den Feierabend (Ruhestand) ging, noch einige Jahre halbtags in der Werkstätte des Diakoniewerkes Gallneukirchen in der Briefmarkenabteilung tätig. Ihr Lebensabend war von vielen Krankheitsnöten und langjährigem Leiden begleitet. Diese ertrug sie tapfer und anspruchslos, aber immer noch Freude bereitend mit den von ihr selbst entworfenen Grußkarten. 2002 verstarb sie und wurde auf dem Gallneukirchner Friedhof beigesetzt. Schwester Margit Grivalskys Glaube und warmherzige Persönlichkeit waren geprägt vom Diakonissenmutterhaus Preßburg mit seiner klaren lutherischen Frömmigkeit. Sie wurde durch ihr von großer Bescheidenheit getragenes, ja geradezu einfaches Schwesternleben dennoch zum Vorbild anderer.


Literatur

Fürstler, Gerhard: „Mussten wir mit unserm Krankenhaus wegen der vorrückenden Front von Leutschau fort.“ Margit Grivalsky, Diakonisse (1915-2002). In: Fürstler, Gerhard: Der Glaube, der durch die Liebe tätig ist. Die Lebensgeschichten von 19 Schwestern aus dem Diakonissen-Mutterhaus in Gallneukirchen. Medieninhaber und Herausgeber: Evangelisches Diakoniewerk Gallneukirchen. Eigenverlag. Gallneukirchen 2006, Seite 326-336.

Bildquelle: Gerhard Fürstler, Wien

GRIVALSKY, Margit

Version vom: 
2012-01-20

Zitation

Gerhard Fürstler. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Gerhard Fürstler, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 4. hpsmedia, 2012. S. 116-118

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=169

Statistik

Who was who: Liste aller Einträge