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Who was who in nursing history: GONSCHEROWSKY, Eleonore
GONSCHEROWSKY, Eleonore
Artikel von: Karin Wittneben
Erschienen in Band 4, Seite(n) 108-111.
 

Biographie

Die Generaloberin Eleonore Gonscherowsky, eine Rotkreuzoberin der Nachkriegsgeneration, hat dem Verband der Schwesternschaften vom Deutschen Roten Kreuz e.V. (vormals Verband der Mutterhäuser vom Deutschen Roten Kreuz) von 1994 bis 1997 als Präsidentin vorgestanden. Sie wurde am 21. Januar 1934 geboren und verstarb am 15. März 2005.

Ihre Laufbahn als Rotkreuzschwester begann sie als 15-Jährige 1949 mit ihrem Eintritt als Vorschülerin in die DRK-Schwesternschaft Krefeld. Dieser Schwesternschaft hat sie bis zu ihrem Tod angehört. Hier durchlief sie ihre Krankenpflegeausbildung, und auch ihren Beruf als Krankenschwester übte sie in dieser Schwesternschaft aus. Am 1. Oktober 2001 konnte sie ihr 50-jähriges Jubiläum als Rotkreuzschwester begehen. Nacheinander erlebte sie die Krefelder Schwesternschaftsoberinnen Anneliese Hinrichs, Klementine Volmer, Christel Meerkamm und Karin Meincke, geborene Grohs. Letztere versieht als Ratsfrau (CDU) in der Legislaturperiode von 2004-2009 gleichzeitig das Amt der 1. Bürgermeisterin von Krefeld. Von 1966 bis 1967 absolvierte Eleonore Gonscherowsky eine einjährige berufliche Weiterbildung zur Unterrichtsschwester (heute Lehrerin für Pflegeberufe) und Pflegedienstleitung an der Wernerschule vom Deutschen Roten Kreuz in Göttingen. Ab 1967 wurde sie als Oberschwester in den Städtischen Krankenanstalten Krefeld eingesetzt, einem Klinikum, das im ausgehenden 20. Jahrhundert über 1200 Betten verfügte.

Die DRK-Schwesternschaft Krefeld e.V. wurde 1939 durch das Amt für Schwesternschaften im Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes gegründet, das bis zum Zusammenbruch des nationalsozialistischen Deutschland im Jahr 1945 von dem Arzt Otto Stahl (1887-1945), Professor für Chirurgie, und der Rotkreuzschwester Luise v. Oertzen (1897-1965) , DRK-Generaloberin, geleitet wurde. Die erste in der Krefelder Rotkreuzschwesternschaft eingesetzte Oberin war Gusti Gruber (1895-1979) . An der Kranken- und Kinderkrankenpflegeschule der Städtischen Krankenanstalten Krefeld war von 1948 bis 1955 Hanna Stoltenhoff (1913-1993)  als Leitende Unterrichtsschwester tätig. Sie wurde 1955 in die Leitung der Wernerschule vom Deutschen Roten Kreuz in Göttingen berufen, einer so genannten Schwesternhochschule. Tatsächlich hatte diese Weiterbildungseinrichtung wie eine Meisterschule den Status einer Fachschule. Eleonore Gonscherowsky hat also sowohl ihre Berufsvorbereitung als Vorschülerin und ihre Krankenpflegeausbildung als auch ihre berufliche Weiterbildung zur Unterrichtsschwester / Pflegedienstleitung unter der Leitung von Hanna Stoltenhoff absolviert.

Einen weiteren Karrieresprung machte Eleonore Gonscherowsky 1977, als sie zur Oberin der DRK-Schwesternschaft Rheinlandpfalz e.V. mit Sitz auf der Hüllsburg bei Neustadt / Weinstraße berufen wurde. Diese Schwesternschaft war am 1. Oktober 1942 durch das Amt für Schwesternschaften im Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes eingerichtet worden. Die linksrheinische Rheinpfalz gehörte bis 1940 zu Bayern und wurde dann im NS-Staat mit dem Saargebiet zum Gau Saar-Pfalz vereinigt. Die politische Zugehörigkeit der Rheinpfalz zu Bayern (seit 1816) brachte es mit sich, dass hier auch die Krankenpflege von der Bayerischen DRK-Schwesternschaft besorgt und deren Leitung später Rosemarie von Felitz als bayerischer „Pfalzoberin“ übertragen wurde. Das in Berlin residierende Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes berief 1942 Lilly Haass als erste Oberin der neuen Schwesternschaft. Sie blieb bis 1966 in dieser Stellung. Die politischen Bedingungen, unter denen die neue Schwesternschaft Gestalt annahm, besonders die Bezüge zur NS-Zeit, werden von Eleonore Gonscherowsky (1990) in ihrem Beitrag „Wir über uns – Eine Schwesternschaft stellt sich vor“ einseitig und dadurch ungenau dargestellt. Trotzdem bleibt anzuerkennen, dass sie eine, wenn auch noch überarbeitungsbedürftige, schwesternschaftsgeschichtliche Einzeldarstellung hinterlassen hat.

1980 hatte Eleonore Gonscherowsky zusätzlich das Amt der Oberin für die DRK-Schwesternschaft Saarbrücken übernommen. Beide Schwesternschaften fusionierten 1987 unter ihrer Leitung zur DRK-Schwesternschaft Rheinpfalz-Saar e.V. mit über 700 Mitgliedern. Die ehemalige DRK-Schwesternschaft Saarbrücken, gegründet 1912, mit Sitz in Saarbrücken hat auf Grund ihrer geographischen Lage ebenfalls politisch wechselvolle Perioden durchlaufen. In der NS-Zeit wurde dieser im Westen des Deutschen Reiches angesiedelten Schwesternschaft die Bezeichnung „Deutsches Rotes Kreuz - Schwesternschaft Westmark“ verordnet. In der NS-Frauenwarte, der einzigen parteiamtlichen Frauenzeitschrift von 1934-1945, war die Saarbrücker Rotkreuzschwesternschaft unter der Leitung von Oberin Hedda Flick eine der eifrigsten Anbieterinnen von Ausbildungsplätzen für Lernschwestern. Die gegenwärtige DRK-Schwesternschaft Rheinpfalz-Saar ist eine der noch bestehenden 34 DRK-Schwesternschaften. 1990 führte diese Schwesternschaft unter der Leitung von Eleonore Gonscherowsky vom 9. bis 11. Mai in Neustadt an der Weinstraße die Tagung des Verbandes der Schwesternschaften vom Deutschen Roten Kreuz durch. Auf dieser Veranstaltung hielt der Direktor des Instituts für Geschichte der Medizin der Universität Düsseldorf, Hans Schadewaldt, einen nachlesenswerten Vortrag über „Die Semiotik in der Medizin, eine alte Methode der Krankenbeobachtung in der Krankenpflege“.

Die höchste Position einer Rotkreuzschwester, die der Präsidentin des Verbandes der Schwesternschaften vom Deutschen Roten Kreuz, hatte Eleonore Gonscherowsky am 1. Januar 1994 erklommen. Am 3. November 1993 war sie auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Verbandes der Schwesternschaften gewählt worden. Im Amt der Generaloberin folgte sie Anne Seibold. Diese berufspolitisch bedeutsame Funktion hat sie auf dem Boden einer einfachen Schulbildung, einer schmalen, insgesamt dreijährigen Aus- und Weiterbildung und einer langjährigen, beharrlichen Berufsausübung wahrgenommen. Sie war, äußerlich betrachtet, eine moderne DRK-Generaloberin, die nicht mehr in der seit nahezu hundertfünfzig Jahren obligaten Rotkreuzschwesterntracht mit Schwesternhaube auftrat. Dieser Wandel vollzog sich aber erst zu Beginn der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts, als die Rotkreuzschwestern sich nach einem Abstimmungsverfahren eine einheitliche zivile „Image-Kleidung“ zulegten. Noch 1990 bot die Verbandstagung in Neustadt an der Weinstraße das gewohnte Bild von Rotkreuzschwestern in traditioneller Schwesterntracht. Auch Eleonore Gonscherowsky erschien hier noch in ihrer Schwesterntracht.

Als Autorin in der pflegerischen Fachpresse ist sie nicht in Erscheinung getreten, und selbst als Präsidentin nutzte sie kaum das Editorial des Magazins der Schwesternschaften vom Deutschen Roten Kreuz, „Die Rotkreuzschwester“, zur Verbreitung ihrer professionellen Vorstellungen und Ziele. Im Advent oder zu Weihnachten jedoch ließ sie es sich nicht nehmen, ihre Mitschwestern an dieser Stelle auf die frohe Botschaft einzustimmen.

1997 trat Eleonore Gonscherowsky in den Ruhestand. Der Vorstand des Verbandes der Schwesternschaften vom Deutschen Roten Kreuz verabschiedete sie am 5. Februar 1997 in einer Feierstunde stilvoll mit der Verleihung des Ehrenzeichens, der höchsten Auszeichnung des Deutschen Roten Kreuzes. Zu ihrer Nachfolgerin war Sabine Schipplick bereits am 22. Oktober 1996 gewählt worden. Als hervorstechende Eigenschaften werden Eleonore Gonscherowsky bei ihrer Verabschiedung Warmherzigkeit und natürliche Autorität bestätigt. In einem Nachruf 2005 würdigen Verbandsmitschwestern die Freundlichkeit und Verlässlichkeit, das sachbezogene Engagement und die humanitären Zielvorstellungen ihrer verstorbenen Generaloberin.

In der geschlossenen Welt der Rotkreuzschwesternschaften hat Eleonore Gonscherowsky eine in der Tat bemerkenswerte Rotkreuzschwesternkarriere von der unbedeutenden Vorschülerin in der Berufsvorbereitung bis zur einflussreichen Topfunktionärin ihres Schwesternschaftsverbandes mit ca. 20.000 Mitgliedern zurückgelegt. Von ihrer in einer einjährigen beruflichen Weiterbildung erworbenen Doppelqualifikation als Unterrichtsschwester / Pflegedienstleitung hat sie im Laufe ihres langen Berufslebens machthaltige Managementfunktionen einer eher unscheinbaren Lehrtätigkeit vorgezogen. Welche objektiven und subjektiven Bedingungsfaktoren im Einzelnen diese zwar imposante, aber letztlich noch unergründliche Karriere konkret ermöglicht haben, muss einstweilen der Pflegeberufsgeschichtsschreibung als ein Forschungsdesiderat überlassen bleiben wie auch eine grundlegende Suche nach den Bindungskräften, die Eleonore Gonscherowsky fast fünfzig Jahre im Schwesternberuf gehalten haben.


Literatur

Anonym: Neue Präsidentin des Verbandes der Schwesternschaften vom DRK [Eleonore Gonscherowsky]. In: Die Rotkreuzschwester, 1993/94, Heft 1 (Dezember / Januar / Februar), S. 2.

Anonym: Rotkreuzschwestern kürten ihre neue Image-Kleidung. Ohne Haube – mit selbstbewusstem Chic. In: Die Rotkreuzschwester, 1991, Nr. 5 (Oktober / November), Seite 14-17.

Anonym: Neue Präsidentin der Rotkreuz-Schwestern. In: Pflege Aktuell 51 (1997) 3, Seite 191.

Der Brockhaus in fünfzehn Bänden. Band 10: NAS-PFA. Brockhaus. Leipzig, Mannheim 1998.

Deutsches Rotes Kreuz: Die Rotkreuzschwester. Faltblatt (Ohne Ort und Jahr) [um 2004].

DRK-Schwesternschaft Krefeld e.V. (Hrsg.): 100 Jahre Rot-Kreuz-Schwestern in Krefeld. Tölkes Druck. Krefeld 2004.

DRK-Schwesternschaft Rheinpfalz-Saar e.V. www.schwesternschaften.drk.de/naehe/neustadt/html [30.08.2004].

Galuschka, Leonore, Karin Meincke, Sabine Schipplick: Trauer um Eleonore Gonscherowsky. Die Rotkreuzschwester, Heft 3, 2005, Seite 8.

Gonscherowsky, Eleonore: Wir über uns – Eine Schwesternschaft stellt sich vor [1990]. www.schwesternschaften.drk.de/naehe/neustadt.html [30.07.2005].

Gonscherowsky, Eleonore: Weihnachten ist eine Macht. Die Rotkreuzschwester, 1995/96, Heft 1 (Dezember / Januar / Februar), Seite 2.

Herzlich Willkommen bei der DRK-Schwesternschaft Krefeld e.V.! www.drk-schwesternschaft-kr.de [26.02.2005].

Karin Meincke – 1. Bürgermeisterin von Krefeld. www.cdu-fraktion.krefeld.de [03.08.2005].

Loonen, Tanja: 100 Jahre Rot-Kreuz-Schwestern in Krefeld. In: Kinderkrankenschwester 23 (2004) 9, Seite 354-355.

[Nachruf] Eleonore Gonscherowsky. In: Rotes Kreuz. Das Fachmagazin des DRK, Heft 5/2005, Seite 57.

Oberinnenvereinigung im Deutschen Roten Kreuz (Hrsg.): Der Ruf der Stunde. Schwestern unter dem Roten Kreuz. Kohlhammer. Stuttgart 1963.

Reicherz, Karin: Die DRK-Schwesternschaft Krefeld e.V. In: Die Rotkreuzschwester, 1990, Nr. 3 (Juni / Juli), Seite 8-9.

Schadewaldt, Hans: Die Semiotik in der Medizin, eine alte Methode der Krankenbeobachtung in der Krankenpflege. In: Verband der Schwesternschaften vom Deutschen Roten Kreuz (Hrsg.): Tagung 1990, Neustadt an der Weinstraße. Druck M. Scholl. Bonn 1990, Seite 65-79.

Verband der Schwesternschaften vom Deutschen Roten Kreuz e.V. (Hrsg.): Rotkreuzschwestern. Die Pflegeprofis. Menschlichkeit – die Idee lebt. Olms. Hildesheim, Zürich, New York 2007.

Werbung um Lernschwestern und ausgebildete Schwestern in einer Anzeige der DRK-Schwesternschaft Westmark. In: NS-Frauenwarte 11 (1942/43) 2, Seite 30.

Wilke-Budde, Brigitte: Verabschiedung [von Generaloberin Eleonore Gonscherowsky]. In: Die Rotkreuzschwester, 1997, Heft 3 (Juni / Juli / August), Seite 28-29.

Bildquelle: Rotes Kreuz. Das Fachmagazin des DRK, Heft 5/2005, Seite 57.

GONSCHEROWSKY, Eleonore

Version vom: 
2012-01-20

Zitation

Karin Wittneben. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Karin Wittneben, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 4. hpsmedia, 2012. S. 108-111

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Permalink:
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