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Lernwelten 2018

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Who was who in nursing history: GANTE-RAEDLER, Karin
GANTE-RAEDLER, Karin
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 4, Seite(n) 103-105.
 

Biographie

Zur qualifizierten Fortbildung für Pflegepersonal schuf das Berufsfortbildungswerk (bfw) des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Jahre 1973 in Frankfurt am Main das „Fortbildungszentrum für Berufe im Gesundheitswesen“, das binnen kurzer Zeit weit über die Grenzen Hessens hinaus einen guten Namen hatte. Den Auftrag, die gesamte Planung, Organisation und Grundkonzeption für die geplanten Lehrgänge zu erstellen, hatte am 1. Februar 1973 Karin Gante erhalten. Die Komplexität und Verschiedenartigkeit dieser Lehrgänge erforderte nicht nur umfassende und interne Kenntnisse über den Krankenhausbetrieb (speziell die Krankenpflege- und Pflegedienstproblematik, der Entwicklungen und Veränderungen der Berufsfelder in der Krankenpflege und im Krankenhaus), sondern auch Kenntnisse aus dem Bereich der Pädagogik / Didaktik, der Erwachsenenbildung sowie gewerkschaftlicher Forderungen zur Gesundheits- und Bildungspolitik.

Das Fortbildungszentrum wurde am 16. April 1973 mit je einem Jahreslehrgang „Leitung des Pflegedienstes“ und „Leitung und Unterricht an Krankenpflegeschulen“ eröffnet. Im Oktober des selben Jahres erweiterte sich das Angebot um einen dreimonatigen Lehrgang „Leitung des Pflegedienstes einer Station oder Abteilung“, der bis zum Jahre 1976 jeweils viermal im Jahr durchgeführt wurde, danach sechsmal. Ab 1976 kam auf Initiative von Karin Gante zusätzlich ein Jahreslehrgang „Leitung des Pflegedienstes in der Psychiatrie“ hinzu, der zweimal durchgeführt wurde. Für alle ehemaligen Teilnehmer der angeführten Lehrgänge initiierte sie kontinuierlich stattfindende Fortbildungsveranstaltungen, die stets eine sehr gute Resonanz hatten.

Neben der Schulleitung waren im „Fortbildungszentrum“ damals zwei haupt- und 32 nebenamtliche Dozenten beschäftigt. Karin Gante hat es dabei „in hervorragender Weise“ verstanden, Dozenten zu finden, die nicht nur nach neuesten Erkenntnissen ihre Fachrichtungen unterrichten, sondern die auch bereit waren, den Unterricht nach den Prinzipien der Erwachsenenbildung wie nach gewerkschaftlicher Forderungen zu gestalten. Die Dozenten wurden von ihr beraten sowohl in Dozentenkonferenzen wie in Einzelgesprächen betreffend der Unterrichtsinhalte, der -gestaltung und der inhaltlichen Koordination zu anderen Unterrichtsfächern.

Karin Gante wurde am 24. Januar 1943 im Krankenhaus in Frankfurt-Höchst geboren. Sie war das vierte Kind des Versicherungskaufmanns Wilhelm Gante und dessen Ehefrau, der Krankenschwester Clara Gante. Im Jahre 1960 machte Karin Gante in Kassel die Mittlere Reife. Nach einem Praktikum im Kinderheim Timmendorfer Strand und dem Besuch eines Seminars als „Gemeindehelferin“ in Hermannsburg begann sie am 1. April 1961 mit der Ausbildung zur Krankenschwester im Diakonissenkrankenhaus in Flensburg, wo sie anschließend vom 1. April 1964 bis 31. März 1965 auch als Krankenschwester arbeitete. Beseelt von dem Gedanken, als Gemeindehelferin beziehungsweise Krankenschwester in Afrika zu wirken, entschloss sie sich zum Studium der französischen Sprache nach Genf zu gehen. Ihr dortiger Aufenthalt seit 1. August 1965 finanzierte sie zunächst mit „Privatpflege“; seit 1. Mai 1966 hatte sie dann eine Anstellung als Krankenschwester in Lausanne in der Clinique Cécil, wo sie bis zum 31. März 1967 blieb. Aus nicht näher bekannten Gründen ließ sie die Idee, nach Afrika zu gehen, aber wieder fallen und kehrte von der Schweiz aus nach Deutschland zurück. Nun arbeitete sie zunächst seit 10. April 1967 als Krankenschwester in Marburg an der Lahn und seit 1. November 1967 an der Universitätsklinik in Frankfurt am Main. Am 1. Juli 1968 wurde sie Stationsschwester in Frankfurt-Höchst und – nachdem sie am 15. April die Krankenpflegehochschule Agnes Karll (1868-1927)  in Frankfurt am Main besuchte hatte – am 1. April 1970 Klinikoberschwester in Frankfurt-Höchst. Seit 8. Dezember 1970 war Karin Gante in derselben Klinik als Pflegedienstleitung für „Werbung und innerbetriebliche Fortbildung“ zuständig, bis sie am 1. Februar 1973 die Leitung des neu geschaffenen „Fortbildungszentrum für Berufe im Gesundheitswesen“ in Frankfurt am Main übernahm. In ihrer Funktion als Schulleiterin nahm sie regelmäßig an verschiedenen Ausschüssen und Tagungen im Bereich des Gesundheitswesens teil, wo sie sowohl die eigenen als auch die gewerkschaftlichen Vorstellungen einer zukunftsorientierten Krankenpflege vertrat. Ferner beriet sie qualifiziert Krankenhäuser bei der Umstellung von konzeptionellen und organisatorischen Maßnahmen des Pflegedienstes. Neben ihrer Funktion als Schulleiterin nahm Karin Gante in mehreren Lehrgängen der beruflichen Weiterbildung die Lehrgangsleitung wahr. Sie erteilte Unterricht in den Fächern „Aufgabenbereich der Pflegedienstleitung“, „Aufgabenbereich Pflegedienstleitung Psychiatrie“, „Management“, „Arbeitsgestaltung“, „Organisation des Pflegedienstes“, „Aufgabenbereich der Stationsleitung“, „Fachdidaktik“ und „Aufgabenbereich der Unterrichtskraft“. Dabei war sie als Fachautorität bei den Lehrgangsteilnehmern sowie im Dozentenkreis anerkannt. Nach Angaben von Zeitgenossen hat sie es vor allem bestens verstanden, dem hohen Anspruch des fächerübergreifenden Unterrichts gerecht zu werden. Zudem hätte sie über „ein breites Spektrum an Wissen“ verfügt, und zwar nicht nur in genannten Fächern, sondern auch aus den Bereichen „Psychologie“, „Erziehungswissenschaften“ und „Sozialwissenschaften“. Es hätte sie zudem ausgezeichnet, „dass sie stets bereit und fähig war, ihr Wissen und Können an andere Menschen weiterzugeben und sie positiv zu motivieren.“

Im Jahre 1975 veröffentlichte Burkhard Wille eine „Sachinformation zur Krankenhaushygiene“, an der als Autorenteam die Arbeitsgruppe für die „Didaktisch-methodische Anleitung zur Unterrichtseinheit Krankenhaushygiene“ mit Karin Gante, Monika Krohwinkel, Annette Martens, Waltraud Michel, Gesche Popp, Helmut Sennewald mitwirkte.

Nachdem sie 1978 Joachim Raedler, den Leiter des Fortbildungszentrums für Berufe im Gesundheitswesen (FZBG) in Hamburg, geheiratet und den Namen Karin Gante-Raedler angenommen hatte, gab sie nach Ablauf der Mutterschutzfrist auf eigenen Wunsch – aus familiären Gründen – am 15. März 1979 die Schulleitung im Fortbildungszentrum für Berufe im Gesundheitswesen im bfw des DGB in Frankfurt am Main auf und zog nach Schulendorf in Schleswig-Holstein. Seit 1. April 1980 war sie als Dozentin im FZBG bfw Hamburg tätig, wobei sie in dieser Zeit zusammen mit ihrem Ehemann intensiv mit Ulrike Peretzki und Monika Wulf-Matthies von der Gewerkschaft ÖTV vor allem zu Aspekten der Organisation der Pflege arbeitete. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes 1981 wirkte Karin Gante-Raedler als Unterrichtsschwester im allgemeinen Krankenhaus Hamburg-Bergedorf, seit 1. Dezember 1981 baute sie eine Altenpflegeschule erst in Mölln, dann in Hamburg-Rahlstedt auf und leitete diese bis zu ihrem Tode mit großem Erfolg. Nach einem bewegten und die Krankenpflege prägenden Leben starb Karin Gante-Raedler am 17. Juli 1991 im Alter von 48 Jahren in Hamburg.

In einem in der Fachzeitschrift „Die Schwester / Der Pfleger“ veröffentlichten Nachruf würdigte Hilde Steppe (1947-1999)  ihre Person und ihre berufspolitischen Aktivitäten, die sie als beispielhaft für die „Aufbruchstimmung der frühen siebziger Jahre“ bezeichnete. Danach gehörte Karin Gante-Raedler zu den Krankenschwestern, die ihrer Zeit weit voraus waren. Sie hatte für Pflegedienstleitungen eine gründliche Managementausbildung gefordert und für Lehrkräfte eine vor allem pädagogisch ausgerichtete Weiterbildung auf wissenschaftlicher Basis. Darüber hinaus war ihr die Stärkung der kommunikativen und persönlichen Kompetenz des Einzelnen ein dringendes Anliegen, das sie auch für sich selbst sehr konsequent umsetzte. Ihre Vorstellungen von Pflege seien geprägt gewesen von der Überzeugung, dass Pflege eine eigenständige Profession sei, die sich offensiv und selbstbewusst artikulieren und sich auf allen Ebenen des gesundheitspolitischen Lebens einmischen müsse.


Literatur

Berufsfortbildungswerk Gemeinnützige Bildungseinrichtung des DGB GmbH (bfw), Zentralbereich Personalmanagement, Hauptverwaltung, Düsseldorf: Schriftliche Mitteilung an den Verfasser vom 23. Januar 2006.

Raedler, Joachim (Hamburg): Schriftliche Mitteilung an den Verfasser vom 19. Juli 2006.

Sachinformation zur Krankenhaushygiene. Von Burkhard Wille mit der Arbeitsgruppe für die „Didaktisch-methodische Anleitung zur Unterrichtseinheit Krankenhaushygiene“ Karin Gante, Monika Krohwinkel, Annette Martens, Waltraud Michel, Gesche Popp, Helmut Sennewald. In Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis zur Förderung der Gesundheitserziehung „Jugend + Gesundheit“ e.V., Frankfurt am Main. [Ohne Verlagsangabe]. Frankfurt am Main 1975.

Steppe, Hilde: [Nachruf] Karin Gante-Raedler. In: Die Schwester / Der Pfleger, 30. Jg., Heft 10/1991, Seite 939.

www.bfw.de.

Bildquelle: Die Schwester / Der Pfleger, 30. Jg., Heft 10/1991, Seite 939.

GANTE-RAEDLER, Karin

Version vom: 
2012-01-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 4. hpsmedia, 2012. S. 103-105

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=164

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