fbpx
Jun 01, 2020 Last Updated 11:41 AM, May 20, 2020

Who was who in nursing history: DIEFENTHAL, Elisabeth
DIEFENTHAL, Elisabeth
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 4, Seite(n) 82-83.
 

Biographie

Im Süden der Kölner Altstadt, mitten im Severinviertel, liegt das Mutterhaus der Augustinerinnen mit den dazugehörigen Krankenhauskomplex. Im Jahre 1988 konnte die „Genossenschaft der Cellitinnen nach der Regel des heiligen Augustinus“ in Köln (Severinstraße), ein krankenpflegender und sozial tätiger Orden, ihr 150-jähriges Jubiläum feiern. Mit dem Motto „Einfach da sein“ bringt die Ordensgemeinschaft zum Ausdruck, was ihre Tätigkeit prägt: Da sein für andere – ohne Vorbedingungen und Vorbehalte. „Diese Bereitschaft zum Dienst am Mitmenschen“, so das Selbstverständnis der Schwestern, „wächst aus unserem Bewusstsein der Mitverantwortung, besonders für kranke, hilfslose und alte Menschen.“

Die Gründung der Ordensgemeinschaft geht auf das Jahr 1838 zurück. Am 28. November 1838 nahmen sogenannte „Wartenonnen“ (Cellitinnen) und Novizinnen aus zwei Klöstern ambulanter Krankenpflegerinnen – dem Kloster zur heiligen Elisabeth in der nahe gelegenen Antonsgasse und dem Kloster zur heiligen Maria in der Kupfergasse – ihren Wohnsitz im Bürgerhospital der Stadt Köln, das 1804 in den Gebäuden des aufgelösten Cäcilienklosters eingerichtet worden war. Ihr Übertritt in das neue Wirkungsfeld war ein Wagnis. Bisher in der häuslichen Krankenpflege eingesetzt, galt es nun, sich streng geregelter Krankenhausarbeit unter ständiger Kontrolle der Ärzte zu unterwerfen. Aus der kleinen Gemeinschaft sollte sich freilich im Laufe der folgenden Jahrzehnte die größte der drei Kölner Genossenschaften der Cellitinnen nach den Regeln des heiligen Aurelius Augustinus (354-430)  entwickeln.

Von Anfang an hatten die Cellitinnen im Bürgerhospital, die Angestellte der Kölner Armenverwaltung waren und ein regelmäßiges Gehalt erhielten, eine eigene, selbstverantwortliche Oberin, die von den Schwestern gewählt wurde. 1838 war dies Katharina Tychon (auch Dychong geschrieben) (Schwester Aloysia Tychon) (?-1855), die 1839 bis 1843 von Dorothea Külpmann (Schwester Ignatia Külpmann) abgelöst wurde. Die Schwestern unterstanden nur bezüglich ihres geistlichen Lebens ihrer Oberin. Dienstrechtlich waren für sie die Entscheidungen der Armenverwaltung maßgeblich. Die „Anwesung für die Oberin und geistlichen Schwestern“ (1840) regelte dabei detailliert den Tagesablauf: Von der Berichtspflicht über Einkäufe, über die Zahl der wöchentlich an Kranke und Invalide auszugebenden Bett- und Leibwäsche, über die Zusammensetzung des Essens und die Regeln für das gemeinsame Essen der Invaliden bis zu Öffnungs- und Schließzeiten der Invalidenstation und die Ausgangs- und Besuchsregeln für Kranke, Invaliden und Irre. Das Bürgerhospital hatte zu jener Zeit etwa 280 Plätze für Invalide und etwa 150 für Kranke.

Im Jahre 1870 erließ der Erzbischof von Köln, Paulus Melchers (1813-1895; im Amt 1866-1885), für die Genossenschaft der Cellitinnen im Bürgerhospital – zu denen auch Maria Engstenberg (Schwester Johanna Engstenberg) (1865-1946) , Maria Wery (Schwester Hipoytha Wery) (1870-1963)  und Maria Ridder (Schwester Blandine Ridder) (1871-1916)  gehörten – neue Satzungen, die sich auf die alten Cellitinnenstatute und die Regel des heiligen Augustinus stützten.

Zu den ersten Generaloberinnen der Genossenschaft waren 1843 Katharina Barth (Mutter Dominika) (1812-1870)  und 1866 Wilhelmine Elisabeth Schmitz (Mutter Crescentia Schmitz) (1815-1884)  gewählt worden. Deren Nachfolgerin wurde 1884 Elisabeth Diefenthal (Mutter Materna Diefenthal), die bereits seit 1869 das wichtige Amt einer Novizenmeisterin ausübte. Am 15. Oktober 1831 in Derkum (Kreis Euskirchen) als Tochter von Mathias Diefenthal und dessen Ehefrau Katharina Löhrer geboren, half sie als die älteste von elf Geschwistern bis zu ihrem 27. Lebensjahr im elterlichen Haushalt, bevor sie am 6. Februar 1858 in die Genossenschaft der Cellitinnen auf der Severinstraße in Köln eintrat, um im Dienste der Kranken ihr Leben Gott zu weihen. Nach ihrer Einkleidung am 15. August 1859 legte sie am 6. Februar 1862 ihre erste Profess und am 6. August 1870 ihre ewige Profess ab; seither trug sie den Namen Schwester Materna.

Während ihrer Amtszeit entstanden zahlreiche neue Filialen, welche „in mannigfachster Weise teils der Linderung geistigen und körperlichen Elendes, teils der Erziehung und Heranbildung der Jugend dienten. Elisabeth Diefenthal (Mutter Materna Diefenthal), starb am 20. Juli 1899 im Alter von 67 Jahren im Bürgerhospital in Köln. Ihre Nachfolgerinnen im Amt waren in den Jahren 1899-1917 ihre leibliche Schwester Cäcilia Diefenthal (Mutter Cleopha Diefenthal) (1842-1917) , 1917-1931 Mutter Maura Bachofen von Echt, 1931-1935 Maria Menke (Mutter Neophyta Menke) (1878-1971) , 1935-1941 Mutter Maria Fidelis Pützstück, 1941-1956 Mutter Maria Remberta Scheller, 1956-1963 Mutter Maria Larga Pohlen, 1963-1972 Mutter Maria Cleta Höschen, 1972-1996 Mutter Maria Nikodema Rützenhoff, 1996-2002 Mutter Veronika Nober und (seit 2002) Mutter Wiltrud Möring.


Literatur

Gatz, Erwin: Kirche und Krankenpflege im 19. Jahrhundert. Katholische Bewegung und karitativer Aufbruch in den preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen. Ferdinand Schöningh. München, Paterborn, Wien 1971.

Genossenschaft der Cellitinnen nach der Regel des hl. Augustinus, Provinzialat, Severinstraße, Köln: Schriftliche Mitteilung an den Verfasser vom 8. Februar 2006.

Hegel, Eduard (Hrsg.): Das Erzbistum Köln zwischen der Restauration des 19. Jahrhunderts und der Restauration des 20. Jahrhunderts (Geschichte des Erzbistums Köln, Band 4). Bachem. Köln 1987.

Stadt Cöln (Hrsg.): Die Stadt Cöln im ersten Jahrhundert unter preußischer Herrschaft 1815-1915. Neubner. Cöln 1916.

Wolters, Max: Einfach da sein. 150 Jahre Genossenschaft der Cellitinnen nach der Regel des heiligen Augustinus Köln / Severinstraße. Parzeller. Fulda 1988, Seite 251.

Bildquelle: Wolters, Max: Einfach da sein. 150 Jahre Genossenschaft der Cellitinnen nach der Regel des heiligen Augustinus Köln / Severinstraße. Parzeller. Fulda 1988, Seite 251.

DIEFENTHAL, Elisabeth

Version vom: 
2012-01-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 4. hpsmedia, 2012. S. 82-83

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=158

Statistik

Who was who: Liste aller Einträge