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Jun 01, 2020 Last Updated 11:41 AM, May 20, 2020

Who was who in nursing history: BUSCH, Ferdinand
BUSCH, Ferdinand
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 4, Seite(n) 68-70.
 

Biographie

Auf Anregung von Stadtrat Dr. Max Flesch wurde im Jahre 1892 in Frankfurt am Main der erste selbständige Hauspflegeverein gegründet. Ihm folgten alsbald weitere in Berlin, Danzig, Gotha, Hamburg, Dresden, Mainz, Düsseldorf und Köln. Auf einer Konferenz des im Jahre 1908 gegründeten „Verbandes der Hauspflege“ in Düsseldorf am 10. Juni 1926 waren dann bereits 33 Städte vertreten. Aufgabe der besagten Vereine war laut deren Programm „die Hilfeleistung in den unbemittelten Familien, wenn die Hausfrau durch Wochenbett, Krankheit oder deren Folgen verhindert ist, ihren häuslichen Aufgaben nachzukommen. Es werden für die Hausarbeiten meistens ältere Frauen aus dem Arbeiterstand gegen Bezahlung herangezogen, welche für die Zeit der Not die ganze Sorge für das Hauswesen übernehmen.“ Für die Krankenpflege wurden darüber hinaus in den meisten Fällen „ausgebildete Pflegerinnen“ angestellt.

Im Jahre 1911 entwickelte sich auch in Krefeld – aus der Not der Zeit heraus – durch die Initiative des Kapuziners Pater Markus Müssig (1875-1952)  die Gemeinschaft der Franziskus-Schwestern vom Dritten Orden des heiligen Franziskus [Franz von Assisi (1182-1228) ] (heute: Franziskanische Gemeinschaft; früher auch: Terziaren des hl. Franziskus), die Apostolat und Karitas als ihre Wesensaufgabe betrachten. Vorrangige Aufgabe der Schwestern mit ihrem Mutterhaus in Krefeld (heutiger Name: Franziskusschwestern der Haus- und Krankenpflege) war und ist die Haus- und Familienpflege, der Besuch von Kranken und Einsamen sowie die ambulante Krankenpflege.

Auf Anregung von Ferdinand Busch, als Pater Suitbert Guardian des Kapuzinerklosters Spyck, hatte Marks Müssig am 15. Januar 1925 auch die Franziskusschwestern mit dem Mutterhaus Kleve gegründet. Die Aufgabe der Gemeinschaft, die heute noch 18 Mitglieder zählt, besteht vor allem im Dienst an alten Menschen in Altenheimen, insbesondere in der Begleitung während der Sterbephase. Neben dem Mutterhaus in Kleve gibt es Niederlassungen in Kevelaer und Xanten.

Der große Bedarf für die Einrichtung der Hauspflege zeigt sich in einer Statistik des Jahres 1925 im Verwaltungsbericht der Stadt Kleve, wonach 163 Familien betreut wurden. Hierunter waren 81 Wöchnerinnen, 58 kranke Mütter und 24 alte Menschen. In den folgenden Jahren kam zu der ursprünglichen Tätigkeit der ambulanten Haus- und Krankenpflege die Aufgabe der Alten- und Kinderpflege in speziell dafür bestimmten Heimen. In den ersten zehn Jahren nach der Gründung wuchs die Schwesterngemeinschaft schnell. 1936 gab es schon 38 Franziskusschwestern in Kleve, die neben dem Mutterhaus in neun Niederlassungen tätig waren. Die erste Oberin war von 1925 bis 1969 Clara Werkmann (1896-1969) ; ihr folgten von 1969 bis 1980 Maria Uebing (1897-1981)  und von 1980 bis 1992 Maria Odental (1905-1992)  im Amt. Die zunächst von Ferdinand Busch beziehungsweise vom Kapuzinerkloster betreuten Schwestern kamen auf Veranlassung der Kapuziner selbst 1932 in die Obhut des Bischofs von Münster, der seitdem die jeweiligen bischöflichen Kommissare für die Franziskusschwestern bestellt.

Um die Arbeit der Franziskusschwestern abzusichern, war am 15. Oktober 1926 der „Verein für Haus- und Krankenpflege e.V. Kleve“ gegründet worden. Die Franziskusschwestern, die sich zunächst „Karitas-Schwestern“ nannten, änderten 1946 ihren Namen in „Franziskusschwestern der Haus- und Krankenpflege“, weil es immer wieder zu Verwechselungen mit den „freien“ Caritasschwestern (vom Deutschen Caritas-Verband, Freiburg) gekommen war.

Zu der ursprünglichen Tätigkeit der ambulanten Haus- und Krankenpflege kam alsbald die Aufgabe der Alten- und Kinderpflege in speziell dafür bestimmten Heimen hinzu. Heute sorgt der Verein dafür, dass alte Menschen Lebensmöglichkeiten behalten. In drei Einrichtungen, in Kleve, Kevelaer und Xanten, gibt es insgesamt 234 Heimplätze. Kurzzeitpflege, Tagespflege, betreutes Wohnen und Altenwohnungen sind im Laufe der Jahre hinzu gekommen. Ein Fachseminar für Alten- und Familienpflege in Kleve – seit dem Jahr 2000 heißt es offiziell „Caritas-Fachseminar für Altenpflege des Vereins für Haus- und Krankenpflege in Kleve“ – vervollständigt seit 1967 das Angebot.

Ferdinand Busch (Pater Suitbert) wurde am 14. August 1883 in Wiedenbrück (Nordrhein-Westfalen) geboren. Nachdem er das Gymnasium in der Kloster- und Missionsschule in Straßburg-Königshofen (Elsass) erfolgreich abgeschlossen hatte, nahm er am 17. September 1905 das Kleid des heiligen Franziskus und trat in den Orden der Kapuziner-Mönche ein. Ein Jahr später legte er die zeitliche und am 17. September 1909 die ewige Profess ab. Nach dem Studium der Philosophie und Theologie in Werne und Krefeld wurde er am 10. August 1911 in Köln zum Priester geweiht. Danach wirkte er zunächst im Kapuzinerkloster Krefeld.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges (1914-1918) meldete sich Pater Suitbert zur Militärseelsorge, wobei er lange Zeit an der Westfront tätig war. Nach dem Krieg wirkte er in der Volksmission und als Exerzitienmeister in verschiedenen Orten. Das Vertrauen seiner Obern beehrte ihn oft mit der Aufgabe des Guardinates in mehreren Klöstern, so in Werne, Kleve, Aachen und Mainz. Von 1926 bis 1932 war er 1. Vorsitzender des Vereins für Haus- und Krankenpflege in Kleve. In den letzten 25 Jahren seines Lebens hielt Pater Suitbert Exerzitien in vielen Ordenshäusern, wobei er überall gern gehört wurde. In Werne war er insbesondere beliebt als Beichtvater und als „Freund der Kranken“. Fast jeden Tag fuhr er hier auf dem Rad durch Stadt und Land zu „seinen Kranken“, um sie zu trösten und ihnen die Sakramente zu spenden. Im Januar 1957 erkrankte Pater Suitbert schwer, erholte sich jedoch alsbald wieder. Nachdem sich sein Zustand alsbald wieder verschlimmerte, wurde er in das Krankenhaus Werne gebracht, wo er am 30. Oktober 1957 verstarb. Anlässlich seines Todes erschien in den Ruhr-Nachrichten vom 2./3. November 1957 ein Beitrag mit der Überschrift: „Freund und Vater nannten ihn ‚seine’ Kranken“.


Literatur

Baak, Bernhard: Fünfzig Jahre im Dienste des Nächsten 1923-1973. Franziskanische Caritas in Kleve. Herausgegeben vom Verein für Haus- und Krankenpflege e.V. Kleve. Boss. Kleve 1973.

Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Cleve für die Zeit vom 1. April 1910 bis zum 31. März 1926. Bösmann. Cleve 1926.

Flesch, Max: Die Hauspflege. Ihre Begründung und Organisation in Hauspflege-Vereinen. Fischer. Jena 1901.

Hauser, Wilhelm / Düttmann, August Bernhard Th.: Die Kranken- und Hauspflege auf dem Lande (Schriften des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit, Band 44). Duncker & Humblot. Leipzig 1899.

Hollander, Eduard von / Samter, Hans / Waldschmidt, Julius: Die Fürsorge für Erhaltung des Haushalts, insbesondere der Hauspflege (Schriften des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit, Band 55). Duncker & Humblot. Leipzig 1901.

Müßig, Markus: Die Hauspflege des Dritten Ordens des heiligen Franziskus (Drittordensbücherei. Sammlung populärer Schriften zur Förderung des Dritten Ordens, Nr.23). Hermann Rauch. Wiesbaden 1927.

Regeln und Konstitutionen der Kongregation der St. Franziskusschwestern. [Selbstverlag]. Bad Kissingen 1930.

Ricking, Ephrem: Die Familienpflege vom Dritten Orden, Mutterhaus Essen. Carl Fr. Fleischer. Werl i. W. 1926 (2. verbesserte Auflage 1928; 3. verbesserte Auflage 1929).

Satzungen der Familienpflege vom Dritten Orden des hl. Franziskus. Sachs. Werl i. W. 1921.

Schneiderwirth, Matthaeus: Der Dritte Orden des heiligen Franziskus. Festschrift zum 700 jährigen Jubiläum seiner Gründung. Herausgegeben im Auftrag des Zentralausschusses des Dritten Ordens. L. Schwann. Düsseldorf 1921.

Schnütgen, Wiltrud: 75 Jahre Klever Franziskusschwestern. Herausgegeben vom Verein für Haus- und Krankenpflege e.V. Kleve. [Selbstverlag]. Kleve 2001.

Schnütgen, Wiltrud: Mutter Clara gründete das Klever Mutterhaus der Franziskusschwestern. In: Lesebuch zur Geschichte der Klever Frauen. Herausgegeben von der Projektgruppe Frauengeschichte der VHS Kleve. Redaktion: Claudia Scholtyssek. [Selbstverlag]. Kleve 2004, Seite 129-131.

Statuten der Karitasschwestern vom Dritten Orden des Hl. Franziskus e.V. Sitz Koblenz – auch „Franziskusschwestern“ genannt. Görres. Koblenz 1931.

www.versanet.de~p-christian/orden/frauen.htm.

Bildquelle: Schnütgen, Wiltrud: 75 Jahre Klever4 Franziskusschwestern. Herausgegeben vom Verein für Haus- und Krankenpflege e.V. Kleve. [Selbstverlag]. Kleve 2001, Seite 14.

BUSCH, Ferdinand

Version vom: 
2012-01-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 4. hpsmedia, 2012. S. 68-70

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