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Lernwelten 2018

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Who was who in nursing history: BRU?LL, Frieda
BRU?LL, Frieda
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 4, Seite(n) .
 

Biographie

Das 1869 eingeweihte jüdische Krankenhaus in Köln gehörte zu den modernsten Anstalten seiner Zeit. Zunächst im Severinsviertel zwischen Silvan- und Annostrasse gelegen, genoss das jüdisch gestiftete, aber überkonfessionell ausgerichtete „Israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache“ eine große Wertschätzung auch bei Nichtjuden. Sie machten um die Jahrhundertwende rund achtzig Prozent der Patienten aus. Nachdem trotz zweimaliger Erweiterung die Gebäude mehr als ausgelastet waren, ging man in den 1890er Jahren an die Konzeption eines Neubaus. Nach einer wiederum großzügigen Schenkung 1908 auf einem weitläufigen Areal an der Ottostraße im Stadtteil Ehrenfeld eröffnet, entsprachen dessen Einrichtungen laut dem langjährigen leitenden Arzt Dr. Benjamin Auerbach (1855-1940)  „den höchsten Anforderungen der zeitgenössischen Medizin an Technik und Hygiene“. Zudem blieb das Asyl mit seinem Kranken- und Infektionshaus, Alters- und Schwesternheim sowie Wirtschafts- und anderen Gebäuden „wichtigste Instanz jüdischer Selbsthilfe in Köln“ bis zum 1. Juni 1942, wo es von den städtischen Behörden beschlagnahmt und geräumt wurde. Das jüdische Personal, jüdische, teils schwerkranke Patienten und betagte Bewohner inhaftierte man zunächst im Lager Müngersdorf. Von dort wurden sie deportiert; fast niemand überlebte.

Nach langer Diskussion innerhalb der jüdischen Gemeinden und Verbände über die Notwendigkeit einer speziellen Heranbildung jüdischen Pflegepersonals war es 1893 in Frankfurt am Main zur Gründung des ersten Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen in Deutschland gekommen. Noch im gleichen Jahr nahm Benjamin Auerbach, der sich ebenso wie Dr. Fritz Cahen (1861-1929)  und sein Stuttgarter Kollege Dr. Gustav Feldmann (1872-1947)  aktiv für die Ausbildung von jüdischen Krankenschwestern einsetzte, Kontakt mit dem Frankfurter Verein auf, um mit ihm über eine Zusammenarbeit zu verhandeln. Das Kölner Asyl war damit eine der ersten jüdischen Anstalten, die bereit waren, das neue Angebot zu nutzen. Tatsächlich kam es innerhalb kurzer Zeit zu einer Einigung. Der Frankfurter Verein empfahl 1893 eine seiner Schwestern – Frieda Brüll – an das Kölner Asyl, die dort als Oberin die gesamte Leitung von Pflege, Wirtschaft und Hausverwaltung übernehmen sollte.

Frieda (Friederike) Brüll, geboren am 27. Juli 1866 in Erlangen, hatte ihre Ausbildung zur Krankenschwester in Frankfurt am Main erhalten. Sie gehörte mit Minna Hirsch, Klara Gordon, Lisette Hess und Thekla Mandel zum Kreis der Schwestern, die den Frankfurter Verein für jüdische Krankenpflegerinnen gegründet hatten und galt als „eine in allen Zweigen der Verwaltung, der Haushaltung und der Krankenpflege gleichmäßig erfahrene und energische Dame.“ Sie erwies sich auch in Köln als außerordentlich engagierte und fähige Leiterin, so dass das Kuratorium ihre Persönlichkeit und Leistung 1894 anerkennend wie folgt charakterisieren konnte: „Ihre Liebe zu dem frei gewählten Beruf der Krankenpflege, ihre Gewandtheit in der Buchführung und in allen Angelegenheiten der Küche und des Hauses, gepaart mit Gewissenhaftigkeit und liebevoller Behandlung von Kranken und Personal befähigen sie in hohem Maße zu einer solch verantwortungsvollen Stellung und verpflichten uns zu dankbarer Anerkennung ihrer Leistungen.“

Zugleich mit Frieda Brüll wurden weitere Schwestern des Frankfurter Vereins beschäftigt, so dass in den folgenden Jahren kontinuierlich fünf bis sechs Schwestern aus Frankfurt am Kölner Asyl arbeiteten, unter ihnen Julie Strauss, die als Stellvertreterin Frieda Brülls amtierte. Verbunden mit der Übernahme von Schwestern aus Frankfurt am Main erklärte sich das Kuratorium bereit, dem Frankfurter Verein das Kölner Asyl als Ausbildungsstätte für Pflegerinnen zur Verfügung zu stellen, eine Aufgabe, die man als gleichermaßen bedeutsam für die Krankenpflege ansah wie für „die sociale Förderung jüdischer Mädchen.“ 1893 nahm man zwei, Anfang 1894 eine weitere Schülerin auf, denen das Kuratorium „Lerneifer“, „Dienstbeflissenheit“ und „Gewissenhaftigkeit“ in der Krankenpflege bescheinigte. Der Beginn dieser Ausbildungstätigkeit war bereits mit weitergehenden Vorstellungen verknüpft. Man dachte daran, die Zahl der jüdischen Pflegerinnen rasch zu erhöhen, und äußerte schon 1894 die Hoffnung, „dass in nicht zu ferner Zeit [...] jüdische Krankenschwestern auch in unserer Stadt für die Pflege Kranker jeder Confession bereit stehen“ könnten.

Da man Jahre 1899 auch in Köln einen „Verein für jüdische Krankenpflegerinnen“ gegründet hatte, war die enge Verbindung zum Frankfurter Verein überflüssig geworden und konnte gelöst werden. Die Kontinuität in der Leitung des Asyls blieb jedoch erhalten, da Oberin Frieda Brüll und Schwester Julie Strauss aus dem Frankfurter austraten und sich dem Kölner Verein anschlossen. Frieda Brüll übernahm neben ihrem bisherigen Amt als Oberin des Asyls auch das als Oberin der Kölner Schwestern, Julie Strauss wurde auch in diesem Amt ihre Stellvertreterin.

In Organisation und Zielsetzung stimmte der Kölner Verein im Wesentlichen mit seinem früheren Partnerverein in Frankfurt am Main überein, an dessen Satzung und Personalreglements man sich stark anglich. Inwieweit die im Asyl tätigen Schwestern des Frankfurter Vereins, insbesondere Oberin Frieda Brüll, an der Gestaltung der formalen und inhaltlichen Strukturierung der Kölner Neugründung beteiligt waren, ist nicht mehr zu rekonstruieren. Vor allem Frieda Brüll, die bereits an der Gründung des Frankfurter Vereins maßgeblich beteiligt gewesen war und inzwischen über beträchtliche organisatorische wie praktische Erfahrungen verfügte, dürfte beim Aufbau des Vereins eine wichtige Rolle gespielt haben, auch wenn sich in den erhaltenen Quellen ihr Beitrag nicht widerspiegelt.

Im Jahre 1912 verließ Frieda Brüll das Asyl, um den Kölner Kaufmann Moses Moritz Wollmann zu heiraten. Als ihre Nachfolgerin wurde, nach zwei lediglich kurz und wohl nur vorübergehend eingesetzten Oberinnen (Hannah Jaffé 1912 bis 1914 und Julie Abrahamson 1915), Sophie Helfmann angestellt, eine Schwester, die bereits in großen Anstalten und in leitender Stellung gearbeitet hatte.

Nachdem Moses Moritz 1936 gestorben war, lebte Frieda Wollmann – zumindest noch bis Ende der 1930er Jahre – in ihrem Haus Eigelstein 122. Im Jahre 1942 wurde sie von den Nationalsozialisten in das Lager Köln-Müngersdorf zwangseingewiesen; sie starb am 14. Juni 1942 im Raum Aachen, möglicherweise im Lager Mausbach bei Stollberg, und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Aachen beerdigt. Während sie somit ein ähnliches Schicksal wie ihre Kolleginnen Ruth Sophie Lilienfeld (1917-1944) , Irma Ransenberg (1893-1944)  und Sophie Sondhelm (1887-1944)  erlebte, war Rosa Rauner (1889-1972)  die Emigration gelungen.


Literatur

Auerbach, Benjamin: Israelitisches Asyl für Kranke und Altersschwache, Silvanstrasse 12/14. In: Köln in hygienischer Beziehung. Festschrift für die Teilnehmer an der XXIII. Versammlung des Deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege, herausgegeben von Eduard von Lent. Verlag Dr. von M. Dumont Schauberg. Köln 1898, Seite 302-303.

Auerbach, Benjamin: Vereine für Krankenschwestern. In: Allgemeine Zeitung des Judentums, 64. Jg., Nr. 47 vom 23. November 1900, Seite 560-561.

Auerbach, Benjamin: Das Israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache. In: Naturwissenschaft und Gesundheitswesen in Cöln. Festschrift für die Teilnehmer an der 80. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte in Cöln, herausgegeben von Peter von Krautwig. Bachem. Cöln 1908, Seite 466-477.

Auerbach, Benjamin: Jüdische Krankenhäuser. In: Der Orden Bne Briss. Mitteilungsblatt der Großloge für Deutschland VIII UOBB, Festnummer zum Ordenstage Oktober 1928, Seite 159-162.

Becker-Jákli, Barbara: Das jüdische Krankenhaus in Köln. Die Geschichte des Israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache 1869 bis 1945 (Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln, Band 11). Emons. Köln 2004.

Israelitisches Asyl für Kranke und Altersschwache zu Köln. Bericht über die Jahre 1874-1905. Köln 1875-1906.

Israelitisches Asyl für Kranke und Altersschwache zu Köln. Bericht über die Wirksamkeit während des 25jährigen Bestehens und Rechnungs-Ablage pro 1893. Köln 1894.

Steppe, Hilde: „... den Kranken zum Troste und dem Judentum zur Ehre...“ Zur Geschichte der jüdischen Krankenpflege in Deutschland. Mabuse. Frankfurt am Main 1997.

Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zu Köln. Bericht über die Jahre 1899-1918. Köln 1900-1919.

Bildquelle: Becker-Jákli, Barbara: Das jüdische Krankenhaus in Köln. Die Geschichte des Israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache 1869 bis 1945. Emons. Köln 2004, Seite 116.

BRU?LL, Frieda

Version vom: 
2012-01-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 4. hpsmedia, 2012. S.

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=149

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