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Jun 01, 2020 Last Updated 11:41 AM, May 20, 2020

Who was who in nursing history: FEEDERLE, Maria Elisabeth
FEEDERLE, Maria Elisabeth
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 5, Seite(n) 66-68.
 

Biographie

Das Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern von Straßburg kann als die wichtigste Keim­zelle der vom heili­gen Vinzenz von Paul (1581-1660)  und seiner eng­sten Mitarbeiterin, der heiligen Louise de Marillac (1591-1660)  gegründeten vinzentinischen Pflegegemeinschaften in den deutschen Ländern betrachtet werden. In den ersten zwei Jahrzehnten nach der Einrichtung des Mutterhauses in Straßburg (1823) nahm die Kongregation etwa 250 Bewerberinnen auf und ließ sich in 14 Hospitälern nieder. Darunter befanden sich auch viele kleine Hospitäler im ländlichen Bereich, deren Auf­gabenbereich sich neben der Krankenpflege auch auf die Versorgung von Alten, Armen und Waisen erstreckte. Außerdem übernah­men die Schwestern seit 1833 die Betreuung von weiblichen Strafgefangenen in Gefäng­nissen (in Straßburg, Hagenau, Colmar, Metz und Zabern), die Krankenpflege in den Sie­chenanstalten Hoerdt, Gorze und Colmar sowie die stationäre Pflege von Geisteskran­ken in den Heil- und Pflegeanstalten von Stephansfeld (1835), Saargemünd (1880), Rufach (1908) und Lörchingen (1926). Wäh­rend der 55-jährigen Amtszeit (1813-1868) der Generaloberin Schwester Vinzenz Sultzer (1778-1868)  gelangte die Kongregation zu einer bemerkenswerten Entfaltung. Neben den zahlreichen elsässischen Filialen wurde das Straßburger Mutterhaus zum Ursprungs­ort folgender Schwesterninstitute im deutsch­sprachigen Raum: Zams (1823) mit General­oberin Schwester Xaveria Strasser (1801-1868) , München (1832) mit Generalobe­rin Schwester Ignatia Jorth (1780-1845) , Fulda (1834), Paderborn (1841), Schwäbisch Gmünd (1858) mit Generaloberin Apollonia Scholl (Schwester Arcadia Scholl) (1848-1900)  und Freiburg (1846) mit General­oberin Rosa (Rosamunde) Weber (Schwester Gebhard Weber) (1823-1884) .

Am 13. November 1846 war ein entsprechen­der Vertrag zwischen den Oberen des Mutter­hauses in Straßburg und dem Verwaltungsrat des klinischen Hospitals in Freiburg abge­schlossen worden, wonach erstere sich ver­pflichteten, bis zur Gründung eines Mutter­hauses in Freiburg, das innerhalb sechs Jahren vollendet sein sollte, für den inneren Dienst des klinischen Hospitals sechs Profess­schwestern zur Verfügung zu stellen. Hierbei handelte es sich um die Schwestern Regina Schmidt (Oberin) (?-1847), Anselm Schlupp, Luise Lemaire (?-1847), Theodul Metzger, Columba Mochel und Donata Frühe. Im Ver­lauf der nächsten sechs Jahre wurden in St. Barbara in Straßburg über vierzig Schwestern für Freiburg beziehungsweise Baden ausge­bildet. 1850 wurde bereits als erste auswärtige Niederlassung das Spital in Gengenbach übernommen, mehrere andere Niederlassun­gen in Baden-Baden, Alt-Breisach, Käfertal, Überlingen, Waldkirch, Offenburg und andere mehr wurden vorbereitet. Nachdem 1847 ein Grundstück gekauft worden war, fand am 7. Juli 1851 die Grundsteinlegung zum Bau eines Mutterhauses statt, das im Herbst 1853 – ein dreistöckiger Bau mit einer Kapelle, zehn Schlafräumen und 34 Einzelzimmern – fertiggestellt war. Im gleichen Jahr ernannte Erzbischof Hermann von Vicari (1773-1868) Rosa (Rosamunde) Weber (Schwester Gebhard Weber), damals Vorsteherin des Heiliggeisthospitals in Freiburg, zur ersten Generaloberin. Ihre Nachfolgerinnen im Amt waren (1884-1898) Maria Theresia Jörger (Schwester Alban Jörger) (1839-1898) , (1898-1916) Schwester Luisa David und (1916-1932) Maria Elisabeth Feederle (Schwester Ferdinand Feederle).

Maria Elisabeth Feederle (auch Federle) wurde am 27. August 1852 in Wolterdingen bei Donaueschingen als Tochter eines fürst­lich fürstenbergischen Försters geboren. Maria Elisabeth, die dreizehn Geschwister hatte, wurde Elise gerufen. Über ihre Kindheit und Jugend ist wenig bekannt, über ihren be­ruflichen Werdegang liegen nur spärliche In­formationen vor. Wie fünf ihrer leiblichen Schwestern, von denen drei Oberinnen wur­den, war auch Maria Elisabeth am 21. Juni 1880 in Freiburg dem Orden der Barmher­zigen Schwestern von Straßburg beigetreten. Am 27. Juni 1882 legte sie in Freiburg – ge­meinsam mit den Schwestern Charitas, Carola, Othmar, Germana, Adalberta, Octavia, Adeline, Modesta, Silveria, Katha­rina, Raphael, Januaria und Philomena – ihre Profess ab. Am 24. Mai 1916 wurde sie zur 4. Generaloberin gewählt. Die erste (einstim­mige) Wiederwahl fand am 2. Juni 1922, die zweite (wiederum einstimmige) Wiederwahl am 24. Mai 1928 statt.

Maria Elisabeth Feederle (Schwester Ferdi­nand Feederle) starb schwer krank am 5. März 1932 in Freiburg. In einem Nachruf hieß es: „Das Jahr 1932 wird in unser aller Herzen unauslöschlich eingegraben bleiben, da wir in demselben unsere teure, allverehrte, unvergessliche Frau Mutter Ferdinand verlo­ren haben. Möge uns das Gedächtnis ihrer Tugenden, ihres opferreichen, ganz der Liebe Gottes und des Nächsten geweihten Lebens stets vor Augen schweben, mögen wir beson­ders tief in unser Herz graben: die mütter­lichen Lehren und Ermahnungen, welche sie uns bei jeder Gelegenheit mit mütterlichem Wohlwollen erteilt hat. Sie gipfelten alle in der Anempfehlung der Treue und in Befol­gung der hl. Regel und der schwesterlichen Liebe und Eintracht und wurden beständig durch ihr leuchtendes Beispiel bekräftigt. Sie lebte ja nur für ihre Pflicht bis zur Aufopfe­rung ihrer letzten Lebenskraft. [...] Frau Mut­ter Ferdinand´s stets gleichbleibende herz­liche Freundlichkeit und wohlwollende Her­zenswärme, mit welcher sie jede Schwester aufnahm, auch mitten im Drang der Geschäfte, auch bei Leiden und Schmerzen, wirkten wie ein wohltuender Sonnenstrahl auf das Gemüt und öffneten es zu williger Auf­nahme der mütterlichen Ermahnungen.“

Ihre letzte Ruhe fand Maria Elisabeth Feederle (Schwester Ferdinand Feederle) auf dem Freiburger Hauptfriedhof. Ihre Nachfol­gerinnen im Amt der Generaloberin waren (1932-1952) Schwester Primitia Dinger, (1952-1970) Schwester M. Gabriela Steffan, (1970-1976) Schwester M. Raimunda Graf, (1976-1982) Schwester Benitia Friedrich, (1982-1994) Schwester Anemunda Weh und (seit 1994) Schwester Birgitta Stritt.

In der Festschrift „Liebe handelt“, die 1996 zum 150-jährigen Jubiläum der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in Freiburg erschien, heißt es: „Aus kleinen und mühsamen Anfängen ist seit 1846 etwas ge­worden, auf dem spürbar der Segen Gottes ruht. Im Auf und Ab der Zeiten, waren es die Schwestern unserer Gemeinschaft und viele, die sie dabei unterstützt haben, die die Idee des hl. Vinzenz weitertrugen: Menschen in Not das zu geben, was sie an Leib und Seele nötig haben, besonders aber auch das gelebte Zeugnis christlichen Glaubens und christ­licher Nächstenliebe.“ – Maria Elisabeth Feederle hatte daran entscheidenden Anteil.


Literatur

Frings, Hermann Josef: Die Vinzentinerinnen als Wegbereiterinnen der neuzeitlichen Kranken­pflege im deutschen Sprachgebiet (1832-1900). Medizinische Dissertation. [Selbstverlag]. Köln 1994.

Katholisches Charitas-Sekretariat zu Straßburg (Hrsg.): Die katholischen Wohlthätigkeits-An­stalten und Vereine sowie das katholisch-soziale Vereinswesen in der Diözese Straßburg (Chari­tas-Schriften, 3. Heft). Verlag des Charitasver­bandes für das katholische Deutschland. Frei­burg im Breisgau 1900.

Mayer, Karl: Der Orden der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in der Er­zdiöcese Freiburg 1846-1896. Festschrift zur goldenen Jubelfeier. In Commission der Literari­schen Anstalt. Freiburg im Breisgau 1896.

[Ohne Verfasser]: Die ersten fünfzig Jahre des Ordens der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vincenz von Paul in der Erzdiöcese Freiburg. In: Zeitschrift für die Werke der Nächstenliebe im katholischen Deutschland, 2. Jg., Nr. 3, März 1897, Seite 54-57.

Orden der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul Freiburg, Habsburgerstraße 120, 79104 Freiburg: Schriftliche Mitteilung an den Verfasser von 27. Januar 2005.

Orden der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul, Freiburg (Hrsg.): Liebe han­delt. Aus der Geschichte des Ordens der Barm­herzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul Freiburg. [Festschrift zum 150-jährigen Jubi­läum]. Redaktion und Text: Angelika Hansert. [Selbstverlag]. Freiburg [1996].

Scherer, Emil Clemens: Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern von Straßburg. Ein Bild ihres Werdens und Wirkens von 1734 bis zur Gegenwart (Forschungen zur Kirchenge­schichte des Elsaß, Band 2). Colportage Catho­lique. Saaralben (Lothringen) 1930, Seite 247.

Sinningen, Ansgar: Katholische Frauengemein­schaften Deutschlands (Deutsche Schwestern-Genossenschaften). Zweite Auflage. Rheania-Verlag Th Braun. Düsseldorf 1933.

Stetter, Franz: Männer und Frauen der Caritas in Württemberg im 19. Jahrhundert. Kepplerhaus. Stuttgart 1928.

Bildquelle: Scherer, Emil Clemens: Die Kongre­gation der Barmherzigen Schwestern von Straß­burg. Colportage Catholique. Saaralben (Loth­ringen) 1930, Seite 247.

FEEDERLE, Maria Elisabeth

Version vom: 
2014-02-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 5. hpsmedia, 2014. S. 66-68

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