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Forschungswelten 2019

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Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

Who was who in nursing history: ENGSTENBERG, Maria
ENGSTENBERG, Maria
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 5, Seite(n) 62-64.
 

Biographie

Im Süden der Kölner Altstadt, mitten im Severinviertel, liegt das Mutterhaus der Au­gustinerinnen mit dem dazugehörigen Kran­kenhauskomplex. Im Jahre 1988 konnte die „Genossenschaft der Cellitinnen nach der Re­gel des heiligen Augustinus“ in Köln (Seve­rinstraße), ein krankenpflegender und sozial tätiger Orden, ihr 150-jähriges Jubiläum feiern. Mit dem Motto „Einfach da sein“ bringt die Ordensgemeinschaft zum Aus­druck, was ihre Tätigkeit prägt: Da sein für andere – ohne Vorbedingungen und Vorbe­halte. „Diese Bereitschaft zum Dienst am Mitmenschen“, so das Selbstverständnis der Schwestern, „wächst aus unserem Be­wusstsein der Mitverantwortung, besonders für kranke, hilfslose und alte Menschen.“

Die Gründung der Ordensgemeinschaft geht auf das Jahr 1838 zurück. Am 28. November 1838 nahmen sogenannte „Wartenonnen“ (Cellitinnen) und Novizinnen aus zwei Klös­tern ambulanter Krankenpflegerinnen – dem Kloster zur heiligen Elisabeth in der nahe ge­legenen Antonsgasse und dem Kloster zur heiligen Maria in der Kupfergasse – ihren Wohnsitz im Bürgerhospital der Stadt Köln, das 1804 in den Gebäuden des aufgelösten Cäcilienklosters eingerichtet worden war. Ihr Übertritt in das neue Wirkungsfeld war ein Wagnis. Bisher in der häuslichen Kranken­pflege eingesetzt, galt es nun, sich streng ge­regelter Krankenhausarbeit unter ständiger Kontrolle der Ärzte zu unterwerfen. Aus der kleinen Gemeinschaft sollte sich freilich im Laufe der folgenden Jahrzehnte die größte der drei Kölner Genossenschaften der Cellitinnen nach den Regeln des heiligen Aurelius Au­gustinus (354-430)  entwickeln.

Von Anfang an hatten die Cellitinnen im Bür­gerhospital, die Angestellte der Kölner Ar­menverwaltung waren und ein regelmäßiges Gehalt erhielten, eine eigene, selbstverant­wortliche Oberin, die von den Schwestern gewählt wurde. 1838 war dies Katharina Tychon (auch Dychong geschrieben) (Schwester Aloysia Tychon) (?-1855), die 1839 bis 1843 von Dorothea Külpmann (Schwester Ignatia Külpmann) abgelöst wurde. Die Schwestern unterstanden nur be­züglich ihres geistlichen Lebens ihrer Oberin. Dienstrechtlich waren für sie die Entschei­dungen der Armenverwaltung maßgeblich. Die „Anweisung für die Oberin und geist­lichen Schwestern“ (1840) regelte dabei de­tailliert den Tagesablauf: Von der Berichts­pflicht über Einkäufe, über die Zahl der wöchentlich an Kranke und Invalide auszuge­benden Bett- und Leibwäsche, über die Zu­sammensetzung des Essens und die Regeln für das gemeinsame Essen der Invaliden bis zu Öffnungs- und Schließzeiten der Invali­denstation und die Ausgangs- und Besuchsre­geln für Kranke, Invaliden und Irre. Das Bür­gerhospital hatte zu jener Zeit etwa 280 Plätze für Invalide und etwa 150 für Kranke. Im Jahre 1870 erließ der neue Erzbischof von Köln, Paulus Melchers (1813-1895; im Amt 1866-1885), für die Genossenschaft der Cel­litinnen im Bürgerhospital neue Satzungen, die sich auf die alten Cellitinnenstatute und die Regel des heiligen Augustinus stützten.

Generaloberinnen der Genossenschaft waren in den Jahren 1843-1866 Katharina Barth (Mutter Dominika) (1812-1870) , 1866-1884 Wilhelmine Elisabeth Schmitz (Mutter Crescentia Schmitz) (1815-1884) , 1884-1899 Elisabeth Diefenthal (Mutter Materna Diefenthal) (1831-1899) , 1899-1917 Cäcilia Diefenthal (Mutter Cleopha Diefen­thal) (1842-1917) , 1917-1931 Mutter Maura Bachofen von Echt, 1931-1935 Maria Menke (Mutter Neophyta Menke) (1878-1971) , 1935-1941 Mutter Maria Fidelis Pützstück, 1941-1956 Mutter Maria Remberta Scheller, 1956-1963 Mutter Maria Larga Pohlen, 1963-1972 Mutter Maria Cleta Höschen, 1972-1996 Mutter Maria Nikodema Rützenhoff, 1996-2002 Mutter Veronika Nober und (seit 2002) Mutter Wiltrud Möring. Zu den besonderen Schwesternper­sönlichkeiten der Cellitinnen in Köln (Seve­rinstraße) gehören auch Maria Wery (Schwester Hipoytha Wery) (1870-1963) , Maria Ridder (Schwester Blandine Rid­der) (1871-1916)  und Maria Engsten­berg (Schwester Johanna Engstenberg).

Maria Engstenberg wurde am 13. Oktober 1865 in Edelrath geboren. Ihre Eltern waren der Ackerer Heinrich Engstenberg und dessen Ehefrau Caroline, geborene Koch. Im Alter von 26 Jahren trat sie in die Genossenschaft der Cellitinnen auf der Severinstraße in Köln ein, um im Dienste der Kranken ihr Leben Gott zu weihen. Nach ihrer Einkleidung am 9. Dezember 1893 legte sie am 22. März 1896 ihre erste Profess und am 9. April 1904 ihre ewige Profess ab; seither trug sie den Namen Schwester Johanna.

Als Krankenschwester in der Lindenburg, dem (heutigen) Klinikum und Krankenpflege­schule der Universität Köln, pflegte sie vor allem Lupuskranke (Patienten mit tuberku­löser Hautflechte) mit großer Aufopferung. In seinem Buch „einfach da sein“, berichtet Max Wolters 1988 anlässlich des 150-jährigen Ju­biläums der Genossenschaft der Cellitinnen in Köln (Severinstraße) aus der Chronik über Schwester Johanna: „Die Pflege und Betreu­ung dieser Ausgestoßenen [...] beispielhaft. Sie versuchte alles und zu jeder Stunde. Sie pflegte und versorgte die Kranken oft in den dunklen Abendstunden, um sie nicht dem Tageslicht und der Herzlosigkeit der Men­schen auszusetzen. Sie wollte deren Lebens­willen erhalten, und wie litt sie, wenn ihre Schützlinge durch Gas oder Gift, durch Er­tränken oder Erhängen ihrem Dasein ein Ende machten.“

In Erinnerungen an Maria Engstenberg (Schwester Johanna Engstenberg) wurde im­mer wieder betont, dass sie sich auch darum bemühte, den Kranken nicht nur pflegerische Hilfe, sondern auch gläubigen Lebensmut zu vermitteln.

Durch den Einfluss von Röntgenstrahlen wurde Schwester Johanna selbst einem schrecklichen Leiden unterworfen. Hierzu zitiert Max Wolters nochmals aus der bereits erwähnten Genossenschafts-Chronik: „Durch die Einwirkung der Strahlen wurde Schwester Johanna dann selbst ein Opfer ihres Berufes. Hände, Arme, Wangen, Kiefer, Zunge und Gaumen zeigten fortschreitende Schädigun­gen und furchtbare Entstellungen. Schließlich wurde ihr die Nahrungsaufnahme fast un­möglich. Jeder Händedruck verursachte ihr namenlose Schmerzen. Sie trug alles klaglos; sie wollte nicht weniger leiden als die, für die sie aus letzter religiöser Haltung Pionier und Opfer der Strahlenheilkunde geworden ist.“

Maria Engstenberg (Engstenberg), starb am 1. August 1946 im Alter von 54 Jahren im Kloster Hoven in Zülpich. Sie lässt sich durchaus einordnen in die Reihe derjenigen, die frühe Opfer der Röntgenstrahlen wurden wie beispielsweise M. van Roost (1880-1924) , Agnes Elisabeth Raadchou-Nielsen (1876-1935) , Helga Schumacher (1885-1930) , Paul Tafelmeyer (1868-1934) , Anna Lönnbeck (1856-1920) , Henri Bourdon (1887-1930) , Marie Leontina Mikýsková (1896-1942) , Ful­gencie Šumšalová (1882-1936)  und Zora Zec (1895-1947) .


Literatur

Gatz, Erwin: Kirche und Krankenpflege im 19. Jahrhundert. Katholische Bewegung und karitati­ver Aufbruch in den preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen. Ferdinand Schöningh. München, Paterborn, Wien 1971.

Genossenschaft der Cellitinnen nach der Regel des hl. Augustinus, Provinzialat, Severinstraße, Köln: Schriftliche Mitteilung an den Verfasser vom 8. Februar 2006.

Hegel, Eduard (Hrsg.): Das Erzbistum Köln zwischen der Restauration des 19. Jahrhunderts und der Restauration des 20. Jahrhunderts (Ge­schichte des Erzbistums Köln, Band 4). Bachem. Köln 1987.

Sauser, Ekkart: Johanna Engstenberg. In: Biogra­phisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band XVII. Begründet und herausgegeben von Fried­rich Wilhelm Bautz. Fortgeführt von Traugott Bautz. Traugott Bautz. Herzberg 2000, Spalte 336-337.

Stadt Cöln (Hrsg.): Die Stadt Cöln im ersten Jahr­hundert unter preußischer Herrschaft 1815-1915. Neubner. Cöln 1916.

Torsy, Jakob: Lexikon der deutschen Heiligen, Seligen, Ehrwürdigen und Gottseligen. Bachem. Köln 1959, Spalte 264.

Wolters, Max: Einfach da sein. 150 Jahre Genos­senschaft der Cellitinnen nach der Regel des heiligen Augustinus Köln / Severinstraße. Par­zeller. Fulda 1988, Seite 111.

ENGSTENBERG, Maria

Version vom: 
2014-02-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 5. hpsmedia, 2014. S. 62-64

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Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=20

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