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Jun 04, 2020 Last Updated 11:41 AM, May 20, 2020

Who was who in nursing history: ECHTER, Julius
ECHTER, Julius
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 5, Seite(n) 53-57.
 

Biographie

Mittelalterliche Frömmigkeit hatte in Stadt und Bistum Würzburg eine Reihe von sozialka­ritativen Einrichtun­gen ins Leben geru­fen, deren wohl-täti­ges Wirken den Al­ten, Armen, Kran­ken oder aus sonstigen Ursachen Hilfsbedürf­tigen galt. Während einigen von ihnen nicht gelang, sich dauerhaft zu etablieren, konnte die Mehrzahl ihre Aufgaben zum Teil bis heute wahrnehmen. Was die Spitäler und Krankenpflege betrifft, bestanden in Würz­burg das St. Dietrichspital, das im Jahre 1144 gegründet worden war, das Bürgerspital zum Heiligen Geist, dessen Wurzeln in die frühen Jahre des 14. Jahrhunderts zurückreichen, und das Spital zu den 14 Nothelfern, das 1498 seinen Betrieb begonnen hatte. Diese Häuser sollten bis zur Gründung des Juliusspitals in den Jahren 1576 / 1579 die einzigen Spitäler in Würzburg bleiben. Sie durchlebten die Zeit des 16. Jahrhunderts, die mit der Reformation und dem Konzil von Trient (1545-1563) auch das Spitalwesen entscheidend beeinflusste, zwar zum Teil mit diversen Turbulenzen, gleichwohl aber ohne grundsätzliche Neuprä­gung. Die Lehre Luthers vermochte in Würz­burg nicht dauerhaft Fuß zu fassen und die spitalorientierten Regelungen des Konzils von Trient fanden auch hier nur mit merklicher Verzögerung Anwendung, weil jene Be­schlüsse, die der inneren Erneuerung des alten Glaubens und der Reform des Klerus galten, verständlicherweise Vorrang hatten. So fielen die wenigen Aktivitäten, die bis zur Regie­rungszeit des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn auf dem Spitalsektor erfolgten, nicht entscheidend ins Gewicht.

Die Stiftung Juliusspital Würzburg zählt bis heute zu den größten Wohltätigkeitsstiftungen Deutschlands, welche vier Jahrhunderte über­dauert hat und mit unterschiedlicher Wirkung ihre Aufgaben, jeweils angepasst an die For­derungen der Zeit, erfüllen und sogar in der Neuzeit trotz schwerster Beeinträchtigungen insbesondere durch den Zweiten Weltkrieg (1939-1945) verstärken konnte.

Die Urteile über Julius Echter, der mehr als 40 Jahre lang, von 1573 bis 1617, Fürst­bischof von Würzburg und Herzog in Fran­ken, also weltlicher wie geistlicher Herr war, reichen von „unmenschlich“, „machthungrig“ und „kleinlich“ bis hin zum „Geizkragen“, „größten Wohltäter Frankens“ und „Freund der einfachen Leute und der Wissenschaft“. Er führte in seinem Bistum mit großer Härte die Gegenreformation durch und vertrieb viele Protestanten aus ihrer Heimat. Zudem war er eine der treibenden Kräfte der Hexen­verfolgung und damit für den Tod von Tau­senden unschuldiger Menschen verantwort­lich. Gleichzeitig ließ er hunderte von Kir­chen und Schulen bauen, reformierte die Verwaltung und erneuerte das gesamte Rechtswesen im Bistum. Ferner gründete er nicht nur die Universität Würzburg, sondern legte am 12. März 1576 in Würzburg auch den Grundstein für ein großes Armenspital mit Waisenhaus, das heutige Juliusspital. Hierbei handelte es sich nicht um ein reines Krankenhaus, sondern um eine vielseitige Einrichtung, die laut dem steinernen Stif­tungsbrief für „Arme, Kranke, unvermögende und schadhafte Leute, die wund oder der Arz­nei bedürftig wären, verlassene Waisen, vor­überziehende Pilger und dürftige Personen“ offen stand. Die Anlage bildete fast eine kleine, in sich geschlossene Stadt mit ange­schlossenem Altersheim, Pilgerherberge und Waisenhaus.

Julius Echter wurde am 18. März 1545 als zweites von neun Kindern auf Schloss Mes­pelbrunn im Spessart geboren. Sein Vater war der kurmainzische Rat Peter III. Echter, seine Mutter Gertraud geborene Gräfin von Adolz­heim. Für seine Ausbildung verschafften die tief gläubigen Eltern ihrem Sohn 1554 zu­nächst eine Pfründe am Kollegialstift Sankt Peter und Alexander in Aschaffenburg, wenig später (1557) im Domstift in Würzburg. Von 1559 bis 1561 besuchte er in Mainz und Köln wahrscheinlich das Jesuitenseminar. Danach studierte er an den streng katholischen Uni­versitäten Löwen und Duai, ging wegen krie­gerischer Unruhen nach Paris, dann nach An­gers; die Hugenottenunruhen zwangen ihn 1567 zur Übersiedlung nach Pavia (Italien). Als Lizentiat der Rechte kam Echter nach Würzburg und wurde am 15. Oktober 1569 in das Domkapitel aufgenommen. Fürstbischof war damals Friedrich von Wirsberg (1558-1573). Echter machte schnell Karriere: Im April 1570 übernahm er das Amt des Dom­scholasters (Domschulmeisters), im August zusätzlich das des Domdechanten (Geschäfts­führer des Domkapitels). Nach dem Tod Wirsbergs im November 1573 wurde er im Alter von 28 Jahren von den Domherren – mit äußerst knapper Mehrheit – zum neuen Fürst­bischof gewählt; am 4. Dezember 1573 trat er sein Amt an, an Pfingsten 1575 wurde er zum Bischof geweiht.

Schon als Domdechant hatte sich Echter beim Domkapitel über den schlechten Zustand der Krankenhäuser beklagt, und dass man sich um ärmere Kranke überhaupt nicht kümmere, so dass sie auf der Straße sterben müssten. In der Kapitelsitzung vom 21. Oktober 1572 erklärte er, in allen Spitälern und Armenhäusern herr­sche große Unordnung, und seit langem seien die Rechnungen nicht mehr abgehört worden. Er unterrichtete seine Mitbrüder ferner davon, dass dieser Tage eine Frau auf offener Straße tot aufgefunden worden sei, die in den Spitä­lern beziehungsweise Armenhäusern der Stadt kein Unterkommen habe finden können. Es sei nötig, die Verwalter dieser Einrichtungen zu gebührlicher Rechnung von Quatember zu Quatember anzuhalten. Man beschloss dar­aufhin, der Domdechant und der Ober­schultheiß sollten die Spital- und Gotteshaus­pfleger auf die Kanzlei bestellen und ihnen einschärfen, ihre Rechnungen in Ordnung zu bringen.

Am 23. Februar 1575 ließ Julius Echter durch seinen Sekretär Hieronymus Hagen und durch den alten Hofmeister Hans Zobel von Giebel­stadt (1544-1558) das Domkapitel wiederum davon unterrichten, dass im vergangenen Winter viele arme Leute auf den Gassen ge­storben und tot aufgefunden worden seien. Die Armenhäuser seien überbelegt gewesen, so dass man die Bedürftigen nicht alle habe aufnehmen können. Dies sei nicht nur schrecklich anzuhören, man müsse auch be­fürchten, Gott werde ein Exempel statuieren, falls man nicht den Armen zu Hilfe komme. Aus geistlichem Eifer und Mitleiden wollte Julius Echter ein weiteres Seel- oder Armen­haus errichten, was aber letztlich am Wider­stand des Domkapitels scheiterte.

In der Kapitelsitzung vom 22. November 1575 ließ Julius Echter die Kapitulare wissen, dass er „auf dem Juden Friedhof im Pleicha­cher Viertel“ – ein wenig außerhalb der Stadtmauern – „ein gemein Spital oder Arm­haus“ errichten wolle. In einer an das Dom­kapitel gerichteten Denkschrift des Fürst­bischofs von etwa 1575/76 wegen des zu er­richtenden Spitals wird das Motiv der Spital­gründung mit dem Mysterium des Mitleidens umrissen. Die Stiftung sollte ein Almosen für den armen und gebrechlichen Menschen sein und gleichzeitig den Vollzug des Befehls Christi, die Anweisung der menschlichen Natur, dem Nächsten zu helfen, verwirk­lichen. Am 12. März 1576 legte er den Grundstein des „Julier Spitals“, das unter der Bauleitung von Georg Robin rasch empor­wuchs und einschließlich der Nebengebäude größtenteils bis Ende 1581 fertiggestellt war. Am 12. März 1579 erließ Echter die Grün­dungsurkunde.

Entstanden war ein Baukomplex mit vier Flü­geln, die einen Innenhof umgaben. In der Mitte des Nordflügels, dessen Arkaden italie­nischen Einfluss verraten, setzte der Fürsten­pavillon durch seinen Zwerchgiebel und den Mittelturm einen besonderen baulichen Akzent. Die Spitalkirche, die am 10. Juli 1580 geweiht wurde, lag am Ostende des Südtrakts, durch einen kleinen Glockenturm auch äußer­lich hervorgehoben. An sie schlossen sich zwei Krankensäle an. Von diesem ursprüng­lichen Bau ist heute praktisch nichts mehr erhalten, außer der steinernen Stiftungs­urkunde des Würzburger Bildhauers Hans Rodlein, auch Hans von Schlüsselfeld („Meister Hans“) genannt, die im Torbogen des sogenannten Fürstentraktes zum Garten angebracht ist. Sie zeigt Priester, Ärzte und Krankenwärter, die sich um die Pflege leiden­der Menschen bemühen, während der zum dreifaltigen Gott betende, mit vollem Ornat bekleidete und infulierte Fürstbischof zur Rechten kniet und Segen und Gedeihen für seine Stiftung erfleht.

Das von Julius Echter gegen den Willen des Domkapitels gegründete Spital, die damals größte Anlage dieser Art im Reich, war mit allem notwendigen wie Brunnen, Bäckerei, Mühle, Gärten und so weiter ausgestattet. Es spricht für seinen Weitblick, dass er seine Stiftung mit einer dauerhaften wirtschaft­lichen Grundlage (Weinberge sowie land- und forstwirtschaftlicher Grundbesitz) ausstatte, so dass sie ihren Weg durch alle Zeiten bis heute finden konnte. Dazu gehören der soge­nannte Rotkreuzhof mit 220 Hektar im Nor­den der Stadt, das Gut Seligenstadt mit 614 Hektar (heute: größter Gutshof Bayerns) und der Jobsthaler Hof im östlichen Gramschatzer Wald. Zu erwähnen sind auch ein etwa 3.500 Hektar umfassender fränkischer Waldbesitz im Raum Rhön, Spessart, Gemünden, Ham­melburg, Gädheim und Oberdürrbach. Schließlich besitzt das Juliusspital 163 Hektar beste Weinbergslagen um Würzburg, Ran­dersacker, Iphofen, Rödelsee und Eschern­dorf. Damit ist das Spital Besitzer eines der größten deutschen Weingüter.

Die Spitalordnung („Oeconomia Hospitalis Juliani“) aus dem Jahre 1579, die in der Fas­sung von 1605 / 1609 überliefert ist, lässt zum Beispiel durch die Regelungen hinsichtlich der Aufnahme und des Zusammenlebens der Pfründner deutlich werden, dass der Stifter seine Gründung auch als Instrument der Ge­genreformation im protestantischen Franken verstand. Der Spitalsbetrieb wurde durch Statuten genauestens geregelt. So sollten etwa alle (und nur) diejenigen Aufnahme finden, die sich anderswo keine Behandlung leisten konnten. Angestellte Ärzte hatten die Patien­ten zu behandeln; pro Tag waren zwei Visita­tionen vorgeschrieben. Pflegepersonal hatte die Aufgabe, die Kranken mit Essen zu ver­sorgen und täglich die Zimmer sauber zu ma­chen. Für das geistliche Wohl der Patienten gab es Seelsorger. Patienten, die hierzu in der Lage waren, hatten den Gottesdienst in der Hospitalkirche zu besuchen.

Echter hatte mit seiner Stiftung einen neuen Weg beschritten, indem er seiner Gründung die Aufgaben eines Krankenhauses zuwies. Und als er 1581 seinen eigenen Leibarzt. Dr. Wilhelm Upilio, zum Spitalarzt bestellt und ihm bestimmte Aufgaben bezüglich der im Spital befindlichen Kranken dekretiert hatte, erfuhr diese Festlegung ihre personalmäßige Konkretisierung. Sie bedeutete zugleich eine deutliche Zäsur zum Spital bisheriger Prä­gung, das auf karitative und geistliche Hilfs­leistungen hin orientiert war und das zwar auch Kranke aufnahm, das eine kranken­hausmäßige ärztliche Versorgung jedoch nicht zu seinen Obliegenheiten zählte.

Für die pflegerische Betreuung der betagten, oft bettlägerigen Pfründner sowie der „zur Kur“ aufgenommenen Patienten standen Pfründner- beziehungsweise Krankenwärte­rinnen bereit. Bis 1907 war nur weltliches Pflegepersonal beschäftigt; erst danach kamen erstmals Ordensschwestern – zunächst bis 1921 Barmherzige Schwestern der Kongrega­tion der Töchter des Allerheiligsten Erlöser („Ebracher Schwestern“), seit 1923 dann „Dienerinnen der heiligen Kindheit Jesu“ („Oberzeller Schwestern“) – ins Juliusspital, deren Zahl bis zum Zweiten Weltkrieg stetig zunahm, danach aber kontinuierlich wieder sank. Heute beschäftigt das Krankenhaus wieder fast ausschließlich weltliche Kranken­pfleger und Krankenschwestern.

Die älteste Spitalordnung (1579) regelt in 23 Paragraphen detailliert die Aufgaben und Pflichten der „Krancke[n]-Wertherin“. Neben der Pflege der Patienten hatte diese für die Sauberkeit des Krankenzimmers, der Betten, Kleidung, Geschirr und sonstigen Hausrates Sorge zu tragen (§ 1), zusammen mit der für die Holzkur zuständigen „Churwärtterin“ die Wäsche der Kranken einzusammeln und zu waschen (§ 2) sowie die Betten für jeden neu aufgenommenen Kranken zu beziehen und bei dessen Entlassung oder Tod auszulüften, da­mit der nächste Patient dadurch keinen Scha­den erleide (§ 3). Bei Patienten mit „erbli­chen“ Krankheiten wie „Pestilentz“ oder „Rothenruhr“ sollten Betten und Bettbezüge sowie das benutzte Geschirr getrennt aufbe­wahrt und keinem anderen Kranken zur Be­nützung übergeben werden, bevor nicht alles gewaschen und zusätzlich „an einem abson­derlichen ortt wohl auß gedörrt“ worden sei (§ 4). Geschirr und Bettzeug, für dessen Verlust und Beschädigung sie haftbar gemacht wurde, hatte die Krankenwärterin zu verwahren und dafür zu sorgen, dass die Patienten bei ihrer Entlassung nichts davon mitnahmen und dass ohne ausdrückliche Genehmigung durch den Spitalmeister keine fremden Leute in die Krankenzimmer eingelassen wurden (§ 5). Mit den ihr anvertrauten Kranken sollte sie Geduld aufbringen, sie nicht ausschelten und billigen Wünschen willig nachkommen (§ 6). Die Patienten sollten außerdem „mit lieb­lichen und heilsamen Wordten“ getröstet, und „mit glümpflichen wordten“ an Kommunion und letzte Ölung gemahnt werden (§ 7). Schwerkranke durfte die Krankenwärterin nicht aus den Augen lassen und hatte sich, wenn sie mit der Arbeit allein nicht fertig wurde, vom Spitalmeister Gehilfen aus den Reihen der Pfründner zuweisen zu lassen (§ 8). Von den Ausdünstungen der Bettlägerigen dürfe sie sich keinesfalls abschrecken lassen: „Ob die Kranckhe schon Sarckh schmekhen, Vndt langwierige Kranckheit haben, Sich doch nit Ihren lassen. Den dieser gestanckh kräfftig ist die Sündth abzubüssen, Undt Vor dem Ungeschmack der Höllen sich zu Ver­hüeten“ (§ 9). Die Betten dieser Patienten sollte die Krankenwärterin mit Weihwasser besprengen und ein Kruzifix darauf legen, im Sommer auch mit frischen Zweigen, Blüten und wohlriechenden Blumenkränzen schmücken (§ 10).

Eine Reihe weiterer Bestimmungen befasst sich mit der medizinischen Pflege. Den ärzt­lichen Anordnungen war genauestens Folge zu leisten (§ 11), vor allem was Arzneiver­ordnung, Purgationen (Abführmittel), Säfte und dergleichen betraf: Die Einnahme der Arzneien hatte die Wärterin persönlich zu überwachen, um sicherzustellen, dass kein Medikament heimlich weggeworfen wurde (§ 12). In gleicher Weise hatte sie darauf zu achten, dass die Wundpflaster nicht abgeris­sen und den Patienten keine ungeeigneten Lebensmittel von außen zugetragen wurden (§ 13). Nur frische und wohl zubereitete Speisen durften verabreicht werden (§ 14). Außerdem musste die Krankenwärterin dafür Sorge tra­gen, dass die Kranken außer den ärztlich ver­ordneten Medikamenten keine anderen Tränke, Heilkräuter, Wurzeln oder „abergläu­bische Segen“ gebrauchten (§ 15). Bei der Visite der Ärzte hatte sie stets anwesend zu sein, um über deren Anordnungen immer auf dem Laufenden zu sein (§ 16).

Wenn mit dem Ableben eines Patienten ge­rechnet werden musste, war unverzüglich der Spitalmeister zu unterrichten, damit der geist­liche Beistand nicht versäumt wurde (§ 17). Aufmerksam sollte die Wärterin darauf achten, zu welcher Tageszeit es dem Patienten am schlechtesten gehe, um einerseits dem Arzt darüber berichten zu können und sich andererseits mit dem Essen danach zu richten (§ 18). Rekonvaleszenten durfte sie ohne Vorwissen des Arztes nicht aus dem Patien­tenzimmer lassen (§ 19). Ansonsten hatte sie in dem ihr zugewießenen Krankensaal für Ordnung zu sorgen und gehfähige Kranke zu den Gottesdiensten zu schicken, an denen sie im Übrigen auch selbst teilnehmen sollte (§ 20). Für Patienten, für die die allgemeine Kost nicht geeignet war, hatte sie entweder in der Küche „etwaß bessers“ anzufordern oder selbst „reiniglich“ zu kochen (§ 21). Sollte ihr, falls nur wenige Kranke zu betreuen seien, Zeit übrig bleiben, hatte sie sich in Waschhaus oder Küche nützlich zu machen (§ 22). Beim Ableben eines Patienten waren unverzüglich Spitalmeister und Kirchner wegen des Begräbnisses zu informieren (§ 23).

Zwei weitere Pflegekräfte hatten Spezialauf­gaben: die „Rauchwartherin“, zu der eine Pfründnerin bestimmt wurde, und die „Chur­wärterin“. Erstere war für die Räucher- und Schwitzkuren zuständig, die in einem beson­deren Raum durchgeführt wurden, während die „Churwärterin“ sich um die sogenannten „Holzkuren“ kümmerte. Die Kurwärterin war – der Spitalordnung zufolge – außerdem zur Hilfeleistung der Krankenwärterin verpflich­tet, vor allem was die Wäsche und die Reini­gung von Krankenzimmern und Patientenge­schirr betraf.

Unter Fürstbischof Johann Philipp von Grei­fenklau (1699-1719) wurden, wohl auch, um den Pflegedienst attraktiver zu machen, „um den Krankendienst verdiente Knechte und Mägde des Spitals [...], so bald sie alt und gebrechlich wurden, in die Pfründe aufge­nommen.“

Neben dem Juliusspital in Würzburg, zu dem bereits 1895 Georg Michael Schuler (1833-1909)  einen „Führer“ vorlegte, ließ Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn auch in Arnstein, Dettelbach, Ebern, Gerols­hofen, Hassfurt, Heidingsfeld, Iphofen, Karl­stadt, Königshofen, Mellrichstadt, Münner­stadt, Neustadt, Röttingen und Volkach Spitäler einrichten, deren Statuten wörtlich oder im wesentlichen mit denen des Julius­spitals übereinstimmten.

Julius Echter starb am 13. September 1617 in Würzburg auf dem Marienberg in Gegenwart des Bamberger Bischofs Gottfried von Asch­hausen an den Folgen einer Darminfektion. Seine letzte Ruhestätte fand er im Würzburger Dom. In seinem Testament hatte er angeord­net, dass sein Herz nicht in seinem Spital, sondern in der zur Universität gehörenden Kirche beigesetzt wird. Dort ruht es noch heute.


Literatur

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Bildquelle: Schäfer, Dieter: Geschichte Würz­burgs von den Anfängen bis zur Gegenwart. C. H. Beck. München 2003, Seite 87.

ECHTER, Julius

Version vom: 
2014-02-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 5. hpsmedia, 2014. S. 53-57

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