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Who was who in nursing history: DIEFENTHAL, Cäcilia
DIEFENTHAL, Cäcilia
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 5, Seite(n) 82-83.
 

Biographie

Im Süden der Kölner Altstadt, mitten im Severinviertel, liegt das Mutterhaus der Au­gustinerinnen mit dem dazugehörigen Kran­kenhauskomplex. Im Jahre 1988 konnte die „Genossenschaft der Cellitinnen nach der Re­gel des heiligen Augustinus“ in Köln (Severinstraße), ein krankenpflegender und sozial tätiger Orden, ihr 150-jähriges Jubi­läum feiern. Mit dem Motto „Einfach da sein“ bringt die Or­densgemeinschaft zum Ausdruck, was ihre Tätigkeit prägt: Da sein für andere – ohne Vorbedingun­gen und Vorbehalte. „Diese Bereitschaft zum Dienst am Mit­menschen“, so das Selbstverständnis der Schwestern, „wächst aus unserem Bewusstsein der Mitverantwor­tung, besonders für kranke, hilfslose und alte Menschen.“

Die Gründung der Ordensgemeinschaft geht auf das Jahr 1838 zurück. Am 28. November 1838 nahmen sogenannte „Wartenonnen“ (Cellitinnen) und Novizinnen aus zwei Klös­tern ambulanter Krankenpflegerinnen – dem Kloster zur heiligen Elisabeth in der nahe ge­legenen Antonsgasse und dem Kloster zur heiligen Maria in der Kupfergasse – ihren Wohnsitz im Bürgerhospital der Stadt Köln, das 1804 in den Gebäuden des aufgelösten Cäcilienklosters eingerichtet worden war. Ihr Übertritt in das neue Wirkungsfeld war ein Wagnis. Bisher in der häuslichen Kranken­pflege eingesetzt, galt es nun, sich streng ge­regelter Krankenhausarbeit unter ständiger Kontrolle der Ärzte zu unterwerfen. Aus der kleinen Gemeinschaft sollte sich freilich im Laufe der folgenden Jahrzehnte die größte der drei Kölner Genossenschaften der Cellitinnen nach den Regeln des heiligen Aurelius Au­gustinus (354-430)  entwickeln.

Von Anfang an hatten die Cellitinnen im Bür­gerhospital, die Angestellte der Kölner Ar­menverwaltung waren und ein regelmäßiges Gehalt erhielten, eine eigene, selbstverant­wortliche Oberin, die von den Schwestern gewählt wurde. 1838 war dies Katharina Tychon (auch Dychong geschrieben) (Schwester Aloysia Tychon) (?-1855), die 1839 bis 1843 von Dorothea Külpmann (Schwester Ignatia Külpmann) abgelöst wurde. Die Schwestern unterstanden nur be­züglich ihres geistlichen Lebens ihrer Oberin. Dienstrechtlich waren für sie die Entschei­dungen der Armenverwaltung maßgeblich. Die „Anwesung für die Oberin und geist­lichen Schwestern“ (1840) regelte dabei de­tailliert den Tagesablauf: Von der Berichts­pflicht über Einkäufe, über die Zahl der wöchentlich an Kranke und Invalide auszuge­benden Bett- und Leibwäsche, über die Zu­sammensetzung des Essens und die Regeln für das gemeinsame Essen der Invaliden bis zu Öffnungs- und Schließzeiten der Invali­denstation und die Ausgangs- und Besuchsre­geln für Kranke, Invaliden und Irre. Das Bür­gerhospital hatte zu jener Zeit etwa 280 Plätze für Invalide und etwa 150 für Kranke.

Im Jahre 1870 erließ der Erzbischof von Köln, Paulus Melchers (1813-1895; im Amt 1866-1885), für die Genossenschaft der Cel­litinnen im Bürgerhospital – zu denen auch Maria Engstenberg (Schwester Johanna Eng­stenberg) (1865-1946) , Maria Wery (Schwester Hipoytha Wery) (1870-1963)  und Maria Ridder (Schwester Blandine Ridder) (1871-1916)  gehörten – neue Satzungen, die sich auf die alten Cellitin­nenstatute und die Regel des heiligen Augus­tinus stützten.

Zu den ersten Generaloberinnen der Genos­senschaft waren 1843 Katharina Barth (Mut­ter Dominika) (1812-1870) , 1866 Wil­helmine Elisabeth Schmitz (Mutter Crescentia Schmitz) (1815-1884)  und 1884 Elisa­beth Diefenthal (Mutter Materna Diefenthal) (1831-1899)  gewählt worden. Deren Nachfolgerin wurde 1899 ihre leibliche Schwester, Cäcilia Diefenthal (Mutter Cleo­pha Diefenthal). Am 17. Februar 1842 in Derkum (Kreis Euskirchen) als Tochter von Mathias Diefenthal und dessen Ehefrau Ka­tharina Löhrer geboren, trat sie am 8. August 1870 in die Genossenschaft der Cellitinnen auf der Severinstraße in Köln ein, um im Dienste der Kranken ihr Leben Gott zu wei­hen. Nach ihrer Einkleidung am 15. Juni 1871 legte sie am 14. August 1873 ihre erste Pro­fess und am 17. August 1879 ihre ewige Pro­fess ab und trug seither den Namen Schwester Schwester Cleopha.

Cäcilia Diefenthal (Mutter Cleopha Diefen­thal) blieb Generaloberin bis zu ihrem Tode im Jahre 1917. Während ihrer Amtszeit wurde im Jahre 1905 in Köln-Bayenthal ein von den „Armen Dienstmägden Christi“ geführtes Kranken- und Altersheim in ein Fürsorgeheim für ledige Mütter unter Leitung der Cellitin­nen umgewandelt. Da dadurch die Kranken­versorgung im Kölner Süden völlig zusam­mengebrochen war, wurde noch im gleichen Jahr mit den Planungen für ein Krankenhaus zur Versorgung der ständig wachsenden Be­völkerung dieses Industrievorortes begonnen. Die Nähe zu Fabriken und Betriebsstätten machten das neue St. Antonius Krankenhaus zum idealen Unfallkrankenhaus. Am 23. Juni 1909 wurden die ersten Patienten mitsamt der Unfallstation Professor Cramers aus der Seve­rinstraße nach Bayenthal verlegt.

Im Jahre 1905 wurde auch im Kölner Norden mit dem Bau eines Krankenhauses auf dem Gelände der Kinderbewahranstalt Köln-Niehl begonnen. Einen völlig anderen medizini­schen Arbeitsbereich übernahmen die Kölner Cellitinnen in den Jahren 1888 und 1889: die psychiatrische Krankenanstalt Marienborn oder, wie sie bis 1947 hieß, die Irrenanstalt im Kloster Hoven bei Zülpich. Von 1883 bis 1943 betreuten Cellitinnen aus der Severin­straße auch das zum Andenken an Abraham von Oppenheim gestiftete Kinderhospital in der Buschgasse, unweit des Mutterhauses. Von 1905 bis 1931 wirkte die Genossenschaft noch in einer weiteren Spezialklinik der Stadt, der Augenheilanstalt Gereonswall, neben dem Fürsorgeheim im Klapperhof die einzige Krankenhausniederlassung der Cellitinnen in der nördlichen Altstadt, die ansonsten durch Niederlassungen von Vinzentinerinnen und Franziskanerinnen gut versorgt war. 1908 übernahm die Genossenschaft Pflege und Bewirtschaftung in ihrem bisher umfang­reichsten Aufgabenbereich, in den neuerbau­ten Städtischen Krankenanstalten Lindenburg, aus denen sich die medizinische Akademie, 1919 dann die wiedergegründete städtische Universität entwickeln sollte. Noch 1971, das Jahr, in dem die Genossenschaft die Linden­burg mit ihren über 1.100 Betten verließ, wirkten dort 75 Ordensschwestern.

Während des Ersten Weltkrieges (1914-1918) stellte Cäcilia Diefenthal (Mutter Cleopha Diefenthal) für zwei Lazarettzüge, es handelte sich hierbei um komplett eingerichtete rol­lende Hospitäler, ihre Schwestern zwecks Pflege verwundeter Soldaten zur Verfügung. Insgesamt 78 Fahrten, die oft wochenlang dauerten, wurden bis Ende 1918 ausgeführt. Sie gingen nicht nur an die Westfront, son­dern auch an den östlichen Kriegsschauplatz, auf den Balkan und an die polnische Front, wobei oft bis in das Kampfgebiet hineinge­fahren wurde.

Die Zahl der Soldaten, die man 1866 und 1870/71 in Köln versorgt hatte, war ver­schwindend gering gegenüber jener, die 1914 bis 1918 betreut wurden. Alle städtischen Kliniken waren zumindest teilweise in Reser­velazarette umgewandelt worden. Das Au­gusta-Hospital wurde sogar bis 1916 völlig für militärische Zwecke genutzt. Ende 1914 nahm dieses Lazarett die ersten Patienten auf, schwer verwundete Briten und Franzosen. Auch im Hilfskrankenhaus Lützowstraße, von der jüdischen Gemeinde Kölns zur Verfügung gestellt, wirkten Cellitinnen für lungenkranke Soldaten. Ebenfalls ganz oder teilweise wur­den die ordenseigenen Häuser in Lazarette verwandelt. Dies geschah freiwillig, wobei die Genossenschaft die Mehrkosten aus eige­nen Mitteln trug. Das erst wenige Jahre alte St. Agatha Krankenhaus wurde vollständig mit allem Personal den Malteserrittern als Hospital zur Verfügung gestellt. Schließlich wurde auch das Krankenhaus und Mutterhaus an der Severinstraße in einigen Stationen mit Verwundeten belegt.

An die im Dienst getöteten und alle anderen sogenannten Lazarettschwestern und ihren Einsatz für Verwundete erinnert heute noch ein kleines Denkmal im Innenhof des Mutter­hauses, das nach dem Ersten Weltkrieg von einem Veteranenverein aufgestellt wurde.

Cäcilia Diefenthal (Mutter Cleopha Diefen­thal), die Inhaberin der „Rothen-Kreuz-Medaille“ war, starb nach kurzer Krankheit am 15. Januar 1917 im Alter von 74 Jahren im Bürgerhospital in Köln. Ihre Nachfolge­rinnen im Amt waren in den Jahren 1917-1931 Mutter Maura Bachofen von Echt, 1931-1935 Maria Menke (Mutter Neophyta Menke) (1878-1971) , 1935-1941 Mutter Maria Fidelis Pützstück, 1941-1956 Mutter Maria Remberta Scheller, 1956-1963 Mutter Maria Larga Pohlen, 1963-1972 Mutter Maria Cleta Höschen, 1972-1996 Mutter Maria Nikodema Rützenhoff, 1996-2002 Mutter Veronika No­ber und (seit 2002) Mutter Wiltrud Möring.


Literatur

Gatz, Erwin: Kirche und Krankenpflege im 19. Jahrhundert. Katholische Bewegung und karitati­ver Aufbruch in den preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen. Ferdinand Schöningh. München, Paterborn, Wien 1971.

Genossenschaft der Cellitinnen nach der Regel des hl. Augustinus, Provinzialat, Severinstraße, Köln: Schriftliche Mitteilung an den Verfasser vom 8. Februar 2006.

Hegel, Eduard (Hrsg.): Das Erzbistum Köln zwischen der Restauration des 19. Jahrhunderts und der Restauration des 20. Jahrhunderts (Ge­schichte des Erzbistums Köln, Band 4). Bachem. Köln 1987.

Stadt Cöln (Hrsg.): Die Stadt Cöln im ersten Jahr­hundert unter preußischer Herrschaft 1815-1915. Neubner. Cöln 1916.

Wolters, Max: Einfach da sein. 150 Jahre Genos­senschaft der Cellitinnen nach der Regel des heiligen Augustinus Köln / Severinstraße. Par­zeller. Fulda 1988, Seite 95 und Seite 119.

Bildquelle: Wolters, Max: Einfach da sein. 150 Jahre Genossenschaft der Cellitinnen nach der Regel des heiligen Augustinus Köln / Severin­straße. Parzeller. Fulda 1988, Seite 251.

DIEFENTHAL, Cäcilia

Version vom: 
2014-02-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 5. hpsmedia, 2014. S. 82-83

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=16

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