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Forschungswelten 2019

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Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

Who was who in nursing history: DÉRIEUX, Marie
DÉRIEUX, Marie
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 5, Seite(n) 43-45.
 

Biographie

Bereits seit über 150 Jahren gibt es zur Be­treuung alter, kranker und behinderter Men­schen die Barmherzigen Schwestern vom hei­ligen Vinzenz von Paul (1581-1660)  auch in Salzburg. Als Antwort auf die wach­sende Not der Zeit schickte Fürsterzbischof Friedrich Kardinal von Schwarzenberg Salz­burger Bürgerstöch­ter zur Ausbildung zu den Vinzentine­rinnen nach Mün­chen ins Allgemeine Krankenhaus links der Isar, wo zu jener Zeit Schwester Ignatia Jorth (1780-1845)  als 1. Generaloberin wirkte. Den zurückkehrenden Schwestern, unter denen auch Magdalena Ursula Preisinger (Schwester Ambrosia) (1810-1879)  war, übergab er am 20. August 1844 die Kranken- und Versorgungs­anstalt, die er in Schwarzach (bei St. Johann im Pongau) im ehemaligen Missionshaus der Benediktiner hatte. Schwester Aloysia Aig­ner, bisher Novizenmeisterin in Innsbruck, wurde von Schwester Ignatia zur ersten Obe­rin der neuen Gründung ernannt. 1845 wurde Schwester Ambrosia Novizenmeisterin und – als Schwester Aloysia Aigner am 9. März 1847 nach München zurückkehrte – zur ersten Generaloberin gewählt. Damals zählte Schwarzach bereits drei auswärtige Filialen, nämlich ein neu gegründetes Irrenhaus in Schermberg, ein Spital im Kufstein und eine Schule in Kössen.

Im Revolutionsjahr 1848 zitterte die junge Ordensgemeinschaft um ihren Fortbestand. 1849 reisten fünf Schwestern zur Pflege ver­wundeter Soldaten nach Ruma im südlichen Teil Kroatiens (nahe bei Belgrad), wobei zwei von ihnen als „Opfer der Nächstenliebe“ an Typhus starben. 1851 zogen erstmals Schwestern in die Landeshauptstadt Salzburg zur Pflege in der Privat-Augenklinik von Dr. Hornung. Auf Wunsch der Kaiserin Karolina Augusta von Österreich (1792-1873) , der vierten Gattin von Kaiser Franz (1768-1835) und einer großen Wohltäterin der Vin­zentinerinnen, übernahmen sie 1852 auch die Anstalt zur Erziehung weiblicher Dienstboten in Salzburg-St. Sebastian, zu deren Oberin Maria Praxmarer (Schwester Vinzentia) (1822-1903)  gewählt wurde; in den dar­auffolgenden Jahren übernahmen die Schwestern die Krankenpflege unter anderem 1853 im Schifferspital in Oberndorf, 1855 im St. Johann-Spital in Salzburg und im Spital in Kitzbühl, 1856 in der Irrenanstalt in Mülln, 1857 im Leprosenhaus in Mülln, 1858 im Waisenhaus in Mülln, 1862 im Waisenhaus Mariatal bei Rattenberg, 1866 im Spital in Rattenberg, 1871 im Armenhaus in Zell am See, 1874 im Armenhaus Kitzbühl, 1875 im Waisenhaus Kitzbühl, 1875 im St. Anna-Spi­tal in Gnigl sowie 1879 im Spital in Markt Werfen.

Am 1. August 1882 schloss sich die Salzbur­ger Kongregation – die zu jener Zeit 289 Schwestern in 47 Häusern zählte – unter Be­teiligung von Maria Josefa Brandis (1815-1900)  an das Zentralmutterhaus der Pariser Vinzentinnerinnen, der Genossen­schaft der Töchter der christlichen Liebe, an, wo zu jener Zeit Marie Derieux General­oberin war. Erste „Visitatoriun“ der Provinz Salzburg (Provinzoberin) wurde Schwester Vinzentia, der 1902 Flora Franziska Mathilde Gräfin Fries (Schwester Serafina) (1841-1929) , 1925 Schwester Anna Bertha Königsegg (1883-1948)  und 1949 Anto­nia Herzog (Schwester Katharina) (1901-1977)  im Amt folgte.

Zu der Provinzgemeinschaft der Barmher­zigen Schwestern in Salzburg gehören heute 1. das Provinzhaus mit einem angeschlos­senen Exerzitienhaus und einer Essensaus­gabe an Obdachlose und andere Arme, 2. Das Krankenhaus Schwarzach, das als Betriebsge­sellschaft geführt wird und mit 500 Betten ein Schwerpunktkrankenhaus mit einer ange­schlossenen Krankenpflegeschule ist, 3. das Pensionistenheim Herz-Jesu-Asyl Riedenburg in der Stadt Salzburg, in dem rund 140 Pen­sionäre Aufnahme und Pflege finden, 4. Das St. Vinzenz-Heim Schermberg (Heim für mehrfach Behinderte), das rund 200 Schwerstbehinderten eine Betreuung nach den modernsten Erkenntnissen ermöglicht. Außerdem wirken Schwestern in Kinder­gärten sowie der ambulanten Alten- und Krankenpflege. Als geistliche Gemeinschaft fühlten sich die (Salzburger) Vinzentinerin­nen herausgefordert, der versachlichten Struktur der modernen Gesellschaft, aber auch der großen Orientierungslosigkeit unse­rer Zeit ideelle Werte und religiöse Grundaus­richtung gegenüberzustellen. Ihr Dienst an den Armen soll menschlich-persönliche Züge tragen.

Marie Derieux wurde am 2. Mai 1815 in Iwuy (Nordfrankreich) als das älteste von neun Kindern geboren. Da ihre Eltern relativ früh starben, kümmerte sie sich zusammen mit ihrer Großmutter um ihre Geschwister. Im Alter von 29 Jahren trat sie den Barmherzigen Schwestern bei, wobei sie die meiste Zeit ihres Seminars krank war. Nach der Einklei­dung wurde sie nach Bar-sur-Seine geschickt, um Schule zu halten, doch ihre Gesundheit war hierfür nicht stabil genug. Seit 1848 übte sie die Krankenpflege in Adres (Pas de Ca­lais) in einem Altenheim aus, wo sie im dar­auffolgenden Jahr (1849) auch Oberin wurde. Am 17. März 1856 kam sie als „Schwester Dienerin“, also als „Oberin einer Hausge­meinschaft“, in das Krankenhaus in Alencon in der Normandie. Neben dem Spital war sie dort auch für ein Waisenhaus und eine öffent­liche Apotheke verantwortlich. Fünf Jahre später, am 7. August 1861, wurde sie zur Schwester Dienerin im Militärspital in Lyon ernannt. Dort blieb sie am längsten, nämlich bis zum 22. Dezember 1880, als sie zur Gene­raloberin gewählt wurde.

In ihre Amtszeit als Generaloberin fiel 1882 die Vereinigung der Barmherzigen Schwes­tern von Salzburg mit der Genossenschaft der Töchter der christlichen Liebe. Am Ende ihrer Amtszeit, am 23. Juni 1887, wurde sie – im Alter von 72 Jahren – zur Visitatorin von Belgien ernannt. Das dortige Provinzhaus war erst drei Jahre zuvor erbaut worden, hatte nur eine provisorische Kapelle und nur ein einzi­ges Werk, einen Hort. „Mutter Derieux“ führte zugleich den Verein der Marienkinder, errichte weitere Horte, ein Waisenhaus und führte den Armenbesuch in den Wohnungen ein. Zählte die Provinz bei ihrer Ankunft 40 Häuser mit ungefähr 340 Schwestern, waren es bei ihrem Tod 69 Häuser und 600 Schwestern. Marie Derieux starb nach langer Krankheit am 7. Dezember 1905 im Provinz­haus in Ans (Belgien) im Alter von 90 Jahren.


Literatur

Barmherzige Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul, Salzachgässchen 3, A-5020 Salzburg: Schriftliche Mitteilung an den Verfasser vom 25. Februar 2005.

Der heilige Vinzenz von Paul in der Erzdiözese Salzburg. 1844-1882 Gründung und Ausbreitung der „Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul“ in Salzburg, 1882-1982 Vereinigung mit den „Töchtern der christ­lichen Liebe“ und weitere Geschicke der nun­mehrigen „Provinz“ der weltweiten Genossen­schaft. Gestaltung und Produktion: W.H.-Grafik, Wilhelm Hasenauer, Schwarzach. Baur-Offset. St. Johann 1982.

Ein Gedenkblatt zur Renovierung der Liebfrauen­kirche in Schwarzach und zum 50jährigen Jubi­läum der Congregation der Barmherzigen Schwestern des heiligen Vincenz von Paul in der Erzdiözese Salzburg, Schwarzach. Styria. Graz 1895.

Festgedicht, welches aus Anlass der 50jährigen Jubiläums-Feier der Gründung und Einführung des Institutes der Barmherzigen Schwestern in der Erzdiöcese Salzburg zu Schwarzach im Pongau am 20. August 1894 vorgetragen wurde. Selbstverlag. Schwarzach im Pongau 1894.

Frings, Hermann Josef: Die Vinzentinerinnen als Wegbereiterinnen der neuzeitlichen Kranken­pflege im deutschsprachigen Sprachgebiet (1832-1900). Medizinische Dissertation. Selbst­verlag. Köln 1994.

Gattringer, Franz: Geschichte der Kongregation der Mission und der Barmherzigen Schwestern in Österreich-Ungarn. Verlag der Missions­priester. Graz 1912.

Richartz, Alfonsa: Loderndes Feuer. Vinzenz von Paul. Edition du Signe. Straßburg 1995.

Scherer, Emil Clemens: Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern von Straßburg. Ein Bild ihres Werdens und Wirkens von 1734 bis zur Gegenwart (Forschungen zur Kirchenge­schichte des Elsaß, Band 2). Colportage Catho­lique. Saaralben (Lothringen) 1930, Seite 222-224, 299.

Bildquelle: Der heilige Vinzenz von Paul in der Erzdiözese Salzburg. St. Johann 1982, Seite 14.

DÉRIEUX, Marie

Version vom: 
2014-02-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 5. hpsmedia, 2014. S. 43-45

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=15

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