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Lernwelten 2018

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Who was who in nursing history: COUDENHOVE, Karl Ludwig Graf von
COUDENHOVE, Karl Ludwig Graf von
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 5, Seite(n) 36-38.
 

Biographie

Gedrängt von der Not der Cholera und besorgt um das See­lenheil der Kranken, berief Domherr Karl Ludwig Graf von Coudenhove mit Unterstützung der Kaiserin Karolina Augusta von Öster­reich (1792-1873)  im Jahre 1832 Barmherzige Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul (1581-1660)  nach Wien. Das Mutterhaus in Zams (Tirol) – der erste Ort, an dem die hauptsäch­lich der Krankenpflege widmete Kongrega­tion sich in Österreich nieder gelassen hatte – entsandte daraufhin am 2. März 1832 Katha­rina Lins (Schwester Josepha Nikolina) (1788-1836)  mit drei Schwestern (Baro­nesse Sternbach, Xaveria Strasser und Sera­phina Gräfin Sardentheim) sowie zwei Kan­didatinnen nach Gumpendorf, einem Vorort von Wien.

Als Besonderheiten in der Versorgung der Kranken ist zu bemerken, dass die Schwestern von Gumpendorf von Anfang an auch die Hauskrankenpflege ausübten. Sie pflegten nicht nur Frauen, sondern auch Männer, was damals für geistliche Schwestern nicht üblich war. Auch in der medizinischen Fachwelt spielten die Barmherzigen Schwestern eine nicht unbeachtliche Rolle, da das Wiener Spital die einzige homöopathische Heil- und Lehranstalt der Stadt war, die als solche noch weit über die Grenzen des Kaiserreichs hinaus Bedeutung erlangte. In der Homöopathie er­warben sich die Schwestern einen guten Ruf – sechs Spitäler wurden von ihnen im Laufe der Zeit nach der Schule von Samuel Hahnemann (1755-1843) geführt: außer dem Spital in Gumpendorf waren dies die Spitäler in den Wiener Vorstädten Sechshaus und Leopldstadt (mit einer homöopathischen und einer allopathischen Abteilung) sowie die Krankenhäuser in Linz, Kremsier und Steyr.

Zu Beginn des Jahres 2000 gehörten der Kon­gregation knapp 400 Schwestern an. Zu den ordenseigenen Niederlassungen zählen heute unter anderem vier Krankenhäuser (Wien, Linz, Ried, Speising) und drei Altenheime (Wien, Baden, Maria Anzbach). In den Jahren 1998 und 1999 konnten zwei Niederlassungen in Tschechien eröffnet werden.

Bei der ersten Wahl am 1. März 1836 wurde „die außerordentlich begabte und tüchtige Schwester“ Xaveria Strasser (1801-1868)  zur 1. Generaloberin der Barmherzigen Schwestern in Wien gewählt. Ihre Nachfolge­rinnen im Amt waren in den Jahren 1842-1845 Schwester Leopoldine Kunst, 1845-1848 Schwester Friederike Baumgartner, 1848-1854 Schwester Hedwig Klausa, 1854-1863 Schwester Maximiliana Bernold, 1863-1872 Schwester Leopoldine Wagner (1822-1897) , 1872-1875 Schwester Benedikta Molterer, 1875-1896 Schwester Leopoldine Wagner, 1896-1910 Schwester Hildegard Tobich (1841-1910)  und 1910-1927 Schwester Gervasia Salzner (1865-1949) .

Karl Ludwig (Graf von) Coudenhove war am 7. Januar 1774 in Aachen geboren worden. Nachdem er Offizier geworden war, heiratete er Charlotte, geborene Freiin von Wambold, mit der er sieben Kinder hatte. Nach dem Tod seiner Ehefrau wurde er sich klar darüber, dass er zum Priester berufen sei, und wurde tatsächlich im Jahre 1819 ordiniert. Wie sehr er als Spätberufener, mit 45 Jahren, seinen neuen Beruf ernst nahm, zeigt sich darin, dass er sich nicht bloß dem Kreise um den heiligen Klemens Maria Hofbauer (1751-1820)  anschloss, sondern auch die Absicht hatte, Redemptorist zu werden. Im Jahre 1820 trat er in Wien bei Maria Stiegen unter dem da­maligen Provinzial Pater Passerat in die Kon­gregation ein, konnte aber zur Profess nicht zugelassen werden: „Als Vater von sieben Kindern, begütert in Böhmen, Bayern und Nassau, war er nicht imstande, seine ver­wickelten Familienangelegenheiten zu ord­nen. Er konnte deshalb trotz seines Verlan­gens nicht zu den Gelübden zugelassen wer­den und mußte das Kleid der Kongregation, nachdem er es beinahe drei Jahre lang getra­gen hatte, wieder ablegen.“

Nach seiner Rückkehr zum Weltpriester er­hielt er am 16. Mai 1824 ein Kanonikat der Savoyen-Liechtensteinschen Stiftung an der Metropolitankirche zu Sankt Stephan in Wien. Mit großem Engagement widmete er sich nun der Seelsorge. Besonders am Herzen lag ihm die Sorge um die Kranken im Allge­meinen Krankenhaus und im Militärgefange­nenspital. Beim ersten Auftreten der Cholera­epidemie in Wien (1831) war Coudenhove einer der ersten Priester, die sich zur Pflege der Kranken in den Spitälern zur Verfügung stellten. Monatelang brachte er dort zu, wobei er sich selbst zweimal ansteckt haben soll. Sicherlich trugen diese Erfahrungen dazu bei, den bereits früher gefassten Gedanken nun möglichst rasch zu verwirklichen: Barmher­zige Schwestern nach Wien zu bringen. Be­reits 1825 hatte er in adligen Kreisen und bei Hofe Subskriptionslisten für ein Spital und eine Niederlassung der Schwestern kursieren lassen. Der entsprechende Aufruf, welcher die Sammellisten begleitete, hatte folgenden Wortlaut: „Weltbekannt ist der Segen, wel­chen die sogenannten Soeurs grises (Graue Schwestern), gestiftet vom hl. Vinzenz von Paul, überall verbreiten, wo ihre Liebe waltet. Wer nur einmal Frankreich besucht hat, wird mit dieser Überzeugung zurückgekehrt sein. Dies weckte in den Herzen einiger Damen allhier den Gedanken und den Wunsch, diese segensreiche Anstalt auch in unsere Kaiser­stadt herzuleiten, und der Himmel erklärte sich offenbar dafür. Ihre Majestät (Kaiserin Karolina Augusta) selbst stehen schon an der Spitze derjenigen, die dieses schöne Werk begünstigen und unterstützen. Umso ver­trauensvoller dürfen oberwähnte Damen es wagen, auch andere zur Teilnahme an diesem neuen Institute einzuladen. Damit aber die liebevollen Teilnehmer den Zweck und die Bestimmung dieser neuen Anstalt erfahren, so fügen wir die Erklärung bei, daß der eigen­tümliche Beruf dieser ‚Soeurs grises’ oder Barmherzigen Schwestern hier in Wien sein soll: Kranke pflegen in den Häusern, wo man sie ruft. [...].“

Bei den jahrelangen Verhandlungen mit den Behörden über die Einführung der Vinzenti­nerinnen machte Coudenhove zwei Vorteile im Vergleich mit den Elisabethinerinnen geltend: Zum einen würden sie Kranke bei­derlei Geschlechts aufnehmen, zum anderen wären sie an keine Klausur gebunden, wo­durch sie auch außerhalb ihres Spitals, ja so­gar zum Elementarunterricht auf dem Land eingesetzt werden könnten. So erlangte er schließlich die Genehmigung der niederöster­reichischen Landesregierung zur Errichtung des Schwesterninstituts unter der Bedingung, dass die Einrichtung auf jedwede Unter­stützung aus einer öffentlichen Kasse ver­zichtet.

Der zum „Kurator“ des Mutterhauses bestellte Domherr Coudenhove bestimmte in den ersten Jahren über die Anstellung der Ärzte; zudem hatte er für die Beschaffung der Geld­mittel und die Sicherstellung seiner neuen Anstalt zu sorgen, wozu er zahlreiche Sammlungen veranstaltete. Überdies war er mit seinem ganzen Herzen bei der Seelsorge, insbesondere konnte man ihn für die Kranken immer und überall haben. Selbst seine Pflicht als Domkapitular ließ er gegenüber seiner Arbeit in irgend einem Spital zurücktreten. Als im Jahre 1832 die Schwestern zum ersten Mal ihr Krankenhaus für die Cholerakranken öffneten, übernahm er auch dort sofort das Amt eines Seelsorgers für diese Kranken und war damit tatsächlich so sehr in Anspruch genommen, dass er im August an Erzbischof Vinzenz Eduard Milde das Ansuchen um ei­nen „weiteren Urlaub vom Kapitel“ richtete, weil „in Gumpendorf die Cholera noch arg“ sei und weil es ihm zu schwer erscheine, der Gumpendorfer Pfarre die ganze Last aufzuer­legen.

Karl Ludwig Graf von Coudenhove, der 1838 sein Superiorenamt an Domkapitular Ernst Max Hurez abtrat, starb nach langer schmerz­voller Krankheit am 30. April 1838 im Alter von 65 Jahren. Als Todesursache wurde amt­lich ein Nierenleiden angegeben. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem St. Marxer Fried­hof. In seinem Testament hinterließ Couden­hove den Barmherzigen Schwestern in Wien-Gumpendorf seinen silbernen, vergoldeten Kelch.


Literatur

Brentano, Clemens: Die barmherzigen Schwes­tern in Bezug auf Armen- und Krankenpflege, nebst einem Bericht über das Bürgerspital in Coblenz und erläuternden Beilagen. Hölscher. Koblenz 1831.

Fleischmann, W[ilhelm] F[riedrich] C[arl]: Das Wirken der barmherzigen Schwestern in Wien, nebst einer vorausgeschickten kurzen Lebens­geschichte ihres heiligen Stifters. J. P. Sollinger. Wien 1839, Seite 80-81.

Fleischmann, W[ilhelm] F[riedrich] C[arl]: Notizen über das Spital der barmherzigen Schwestern in Gumpendorf. Die Leistungen der Homöopathie in einer tabellarischen Übersicht der, vom Jahre 1835 bis Ende 1843 in demselben behandelten Kranken, nebst einigen Krankengeschichten. In: Österreichische Zeitschrift für Homöopathie, 1. Jg., 1844, Heft 1, Seite 176-203.

Frings, Hermann Josef: Die Vinzentinerinnen als Wegbereiterinnen der neuzeitlichen Kranken­pflege im deutschsprachigen Sprachgebiet (1832-1900). Medizinische Dissertation. Selbst­verlag. Köln 1994, Seite 13-16.

Gattringer, Franz: Geschichte der Kongregation der Mission und der Barmherzigen Schwestern in Österreich-Ungarn. Verlag der Missions­priester. Graz 1912, Seite 13.

Hlawati, Franz: Die Barmherzigen Schwestern von Wien-Gumpendorf 1832-1932. Selbstverlag der Kongregation der Barmherzigen Schwestern. Wien 1932, Seite 12-16, 22-23, 32-33, 43, 204-  207, 309-310.

Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul, A-1062 Wien (Gum­pendorfer Straße 108): Schriftliche Mitteilung an den Verfasser vom 16. Februar 2005.

Mader, Karl: Die Congregation des Allerheiligsten Erlösers in Österreich. Eine Chronicbericht über ihre Einführung, Ausbreitung, Wirksamkeit und ihre verstorbenen Mitglieder. St. Norbertus Buch- und Kunstdruckerei. Wien 1887, Seite 20.

Pesch, Heinrich: Die Wohlthätigkeitsanstalten der christlichen Barmherzigkeit in Wien. Herder. Freiburg im Breisgau 1891, Seite 16.

Richartz, Alfonsa: Loderndes Feuer. Vinzenz von Paul. Edition du Signe. Straßburg 1995.

Scherer, Emil Clemens: Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern von Straßburg. Ein Bild ihres Werdens und Wirkens von 1734 bis zur Gegenwart (Forschungen zur Kirchenge­schichte des Elsaß, Band 2). Colportage Catho­lique. Saaralben (Lothringen) 1930, Seite 189, 191 und 216.

Wittelshöfer, L[eopold]: Wiens Heil- und Humani­tätsanstalten, ihre Geschichte, Organisation und Statistik. Nach amtlichen Quellen. Seidel. Wien 1856, Seite 254-261.

www.barmherzigeschwestern-wien.at [29.11.2002].

www.bhs.at/orden/prodon.asp [29.11.2002].

Bildquelle: Hlawati, Franz: Die Barmherzigen Schwestern von Wien-Gumpendorf 1832-1932. Wien 1932, Seite 207.

COUDENHOVE, Karl Ludwig Graf von

Version vom: 
2014-02-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 5. hpsmedia, 2014. S. 36-38

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Permalink:
www.hpsmedia.info/
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