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Who was who in nursing history: BOSCHINI, Ettore
BOSCHINI, Ettore
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 5, Seite(n) 23-24.
 

Biographie

Er galt als der „ver­rückte Heilige“ von Mailand und war in der Stadt bekannt wie kaum ein ande­rer: der Kamillianer-Pater Ettore Bo­schini. Dabei verlief sein Leben bis 1975 recht unauffällig. Geboren am 25. März 1928 trat er 1951 in den Orden des heiligen Kamil­lus von Lellis (1550-1614)  ein, legte 1953 seine Gelübde ab und wirkte als Or­densbruder wie viele seiner Kollegen lange Jahre im Pflegedienst im Krankenhaus der Kamillianer in Venedig. Seit er 1976 nach Mailand versetzt worden war, betreute er vor allem die Obdachlosen, die an der Kranken­hauspforte von San Camillo, einem Hospital nicht weit vom Hauptbahnhof entfernt, um eine Mahlzeit oder ein paar Lire baten. Ihr Schicksal ließ ihn nicht mehr los und be­stimmte fortan sein Leben.

Tag und Nacht beschäftigte ihn der Gedanke, wie er diesen Heimatlosen ein Dach über dem Kopf schaffen könne. Mit Beharrlichkeit und jeden Einwand der Bahnverwaltung zurück­weisend wurden ihm schließlich zwei unter den Bahngleisen des Mailänder Hauptbahn­hofs ganz am Ende des Bahnareals leerste­hende Lagerhallen kostenlos überlassen. Es dauerte nicht lange und das „Refugium“ war die „erste Adresse“ für diejenigen, die in der Großstadt gestrandet waren. Wenn sie am Abend von ihren Wegen durch die Stadt in die „Vita Sammartini“ kamen, dann hatte Bruder Ettore mit einigen Helfern dort bereits für sie eine warme Mahlzeit bereitet, eine Matratze und eine Decke.

Nachdem die Medien auf ihn aufmerksam geworden waren nahm er die Möglichkeit wahr, von den Nöten seiner Schützlinge und über seine Sorgen zu sprechen. Dabei scheute er sich nicht, die Mailänder mit deutlichen Worten an ihre soziale Pflicht zur Hilfe zu erinnern. So fanden sich immer wieder Wohltäter, die ihn tatkräftig unterstützen.

Um den alten Obdachlosen, den Drogenab­hängigen und Aids-Kranken eine Perspektive zu bieten, ging Ettore Boschini daran, in Se­veso eine „Zweigniederlassung“ zu gründen. Die notwendigen Materialien erbettelte er, die Arbeiten verrichteten die künftigen Bewoh­ner, so gut es ihre Kräfte zuließen.

Nachdem er von den Nöten im früheren Ju­goslawien und später vom Erdbeben im Sü­den Italiens erfahren hatte, zögerte er nicht zu helfen. Lastwagenweise schickte er erbettelte Gaben in Richtung Kosovo. Und ins Erdbe­bengebiet fuhr er selbst, um den Schutt weg­zuräumen und beim Wiederaufbau Hand an­zulegen.

Was machte es da schon aus, dass Ettore Bo­schini mit seinem Lieferwagen in entgegenge­setzter Richtung durch eine Einbahnstraße fuhr und andere Verkehrsregeln schlicht „übersah“. Die Mailänder Polizisten infor­mierten sich gegenseitig schnell über Funk: „Vorsicht! Der verrückte Heilige ist unter­wegs!“, lenkten den Verkehr blitzschnell um, schützten die übrigen Verkehrsteilnehmer und ließen ihn gewähren.

Ettore Boschini engagierte sich nicht nur in Italien für die Ärmsten der Armen. Nach weiteren „Niederlassungen“ in Affori, Bucchianico, dem Geburtsort des heiligen Kamillus, und Grottaferrata (bei Rom) schuf er auch Zufluchtsorte für die Ausgegrenzten in Bogota und Cartago in Kolumbien.

Als Ettore Boschini am 20. August 2004 starb, verbreitete sich die Nachricht von sei­nem Tod in Mailand wie ein Lauffeuer. Den Trauergottesdienst für ihn hielt der Erzbischof von Mailand, Kardinal Tettamanzi, im Mai­länder Dom. Die große Tageszeitung der Stadt, der „Corriere della Sera“ widmete dem Verstorbenen große Beachtung und rief noch einmal das Wirken von Ettore Boschini als Zeugnis gelebter Nächstenliebe in Erinne­rung.


Literatur

[Weber, Dietmar]: Ettore, der „verrückte Heilige“ von Mailand. In: Informationen der Kamillianer für die Freunde des Ordens, hrsg. von der Deut­schen Ordensprovinz der Kamillianer e.V., 17. Jg., Ausgabe 1/2004, Seite 10-11.

www.camilliani.org/notizie/ettore.htm.

www.fratelettore.it.

Bildquelle: Informationen der Kamillianer für die Freunde des Ordens, 17. Jg., Ausgabe 1/2004, Seite 10.

BOSCHINI, Ettore

Version vom: 
2014-02-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 5. hpsmedia, 2014. S. 23-24

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=8

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